“Das Herz wird nicht dement”

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„Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie ‚das Herz wird nicht dement’ hören?“ Mit dieser Frage eröffnete Andrea Schäfer-Bottenberg, Beauftragte für Demenz und Ethik der Diakonischen Altenhilfe Siegerland eine Veranstaltung im Fliedner-Heim in Weidenau. Anlässlich des Weltalzheimertages erklärte sie hier das Erleben von Menschen mit Demenz. „Oft hört man, dass Betroffene böse werden und der Umgang mit ihnen dadurch schwierig ist“, berichteten einige Teilnehmerinnen und fragten wie es dazu kommt. „Menschen mit Demenz erleben ihren Abbau als Verlust, verstehen die Entwicklung aber nicht“, antwortete Schäfer-Bottenberg. „Wie gesunde Menschen auch, versuchen sie dann, sich ihre Welt zu erklären.“ Fehle beispielsweise ein Gegenstand, sei die logische Schlussfolgerung oft ein Diebstahl. So entstehe schnell der Vorwurf ‚du hast geklaut’. „Menschen mit Demenz begreifen ihre Umwelt nicht mehr so wie früher.“ Werden sie dann ärgerlich oder wütend, erschließen sich uns die Gründe hierfür nicht immer.

Aber Demenz ‚verschlechtere’ in keinem Fall den Charakter. „Seien Sie sicher, dass die Gefühle bis zum letzten Atemzug bei uns bleiben.“ Schäfer-Bottenberg betonte auch, welche Verluste betroffene Menschen erleben. Sie verlieren unter anderem ihre Selbstständigkeit und soziale Rollen, vergessen ihre Biografie und müssen Verbindungen zu anderen Menschen aufgeben. „Menschen mit Demenz fühlen sich fremd in der Welt, das macht Angst.“ Man müsse deshalb das Verständnis der Erkrankung ändern. Demenz sei mehr als eine Krankheit – es sei eine ‚Seinsweise’. Schäfer-Bottenberg schilderte zudem, dass Menschen mit Demenz ihre Umwelt hauptsächlich durch Empfindungen und Sinneswahrnehmungen erleben. Deshalb empfiehlt sie, für Betroffene verlässliche Strukturen zu schaffen. Dies ist beispielsweise durch einen festen Tagesablauf möglich. Auch wertschätzender Kontakt kann zum Wohlbefinden von Menschen mit Demenz beitragen. „Grüßen Sie nicht nur im Vorbeigehen, sondern nehmen sich einen Moment Zeit und achten auf Mimik und Gestik“, rät Schäfer-Bottenberg.

 

Quelle: Diakonie

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