Schneller oder schnellende Finger?

Handchirurgie_St_Marien_Krankenhaus

Unsere Finger sind schnell unterwegs. 20.000 mal bewegen wir unsere Finger Tag für Tag. Doch was passiert, wenn sie überlastet sind? Ein schneller zu einem Schnellenden wird? Wir von doqtor haben bei der Sektion Handchirurgie im St. Marien-Krankenhaus Siegen nachgefragt.

Es handelt sich um ein häufiges schmerzhaftes Schnapp-Phänomen eines oder mehrerer Finger. Betroffen sind mehrheitlich Frauen ab 50 Jahre. Meist ist der Daumen betroffen, es folgen der Mittelfinger und dann die übrigen Langfinger. Wörtlich übersetzt ist „Tendovaginitis stenosans“ eine „einengende Entzündung der Sehnenscheiden“.

Diese umkleiden Beuge- und Strecksehnen an Händen und Handgelenken, Füßen und Fußgelenken. Sehnen sind kräftige, faserige Bänder. Das „Muskel-Sehnen-System“ am Arm ermöglicht ein Strecken und Beugen des Handgelenkes und der Finger. Die Sehnen gleiten dabei durch eine Schutzhülle, die Sehnenscheide. Sie besteht aus einer kräftigen äußeren und einer sehr zarten inneren Schicht (Synovialis). Letztere hat die Aufgabe, beim Gleiten der Beuge- und Strecksehnen Reibung zu verhindern.

Der schnellende Finger wird häufig bedingt durch eine entzündliche Einengung der Sehnenscheide. Auch eine Verdickung der Sehnen kann eine Ursache hierfür sein. Man kann dann ein Reiben und in fortgeschrittenen Stadien ein Schnappen tasten.

Bei kräftiger Beugung von Daumen oder Langfingern wird der verdickte Teil der Beugesehne durch den engen Teil der Sehnenscheide (Ringband) körperwärts gezogen. Ein schmerzhaftes Schnappen begleitet oft das Passieren der Enge. Der verdickte Sehnenanteil bleibt dabei vor der Engstelle liegen, der Finger ist in Beugestellung blockiert und kann nur schmerzhaft und verbunden mit einem erneuten Schnappen wieder zurückgleiten. Oft muss der Patient mit der gesunden Hand nachhelfen, um den betroffenen Finger zu strecken.

Ursachen des schnellenden Fingers

Jeder hat eine Veranlagung, dieses Krankheitsbild zu entwickeln, wenn schädigende Momente hinzutreten. Hierbei kann es sich um wiederholte Überlastung bei Arbeit und Hobby handeln. Tätigkeiten, die wiederholtes festes Greifen fordern oder längerer Gebrauch von Werkzeugen, die sich beim Arbeiten fest gegen Teile der Sehnenscheide pressen, können die Sehne reizen und zu einer Verdickung von Sehnen und/oder Sehnenscheiden führen.

Die Symptome der Erkrankung können auch im Rahmen der chronischen Polyarthritis (rheumatoide Arthritis), Gicht oder anderen Stoffwechselerkrankungen wie „Zucker“ auftreten. Beim Kind liegt die Ursache der Erkrankung meist in einer Veränderung der Sehne; sie ist verdickt und führt ihrerseits zu Reaktionen der Sehnenscheide.

Zeichen und Symptome des schnellenden Fingers

Bevor das für die Diagnose typische Schnappen auftritt, kommt es regelmäßig zu bewegungsabhängigen Schmerzen in der Höhe des Engpasses, also im Bereich des Ringbandes in der körperfernen Hohlhand. Drück der untersuchende Finger, so führt dies zur Schmerzverstärkung. Zu Beginn der Erkrankung kann man ein erschwertes Gleiten und Reiben der Beugesehne tasten, oft auch ein Knötchen vor dem Ringband.

In fortgeschrittenen Stadien kann der betroffene Finger in Beuge-, seltener in Streckstellung blockiert bleiben. Häufig lokalisieren Patienten mit schnellendem Daumen das Schnappen in dem Bereich des Daumenendgelenks.

Diagnostik des schnellenden Fingers

Regelmäßig sichern die typische Vorgeschichte (Anamnese) und die klinische Untersuchung mit Manifestation der beschriebenen Symptome die Diagnose. Um knöcherne Veränderungen oder auch Weichteilverkalkungen auszuschließen, sollte vor einem operativen Eingriff eine Röntgenuntersuchung erfolgen. Beim Kind fällt den Eltern oder dem untersuchenden Arzt eine fixierte Beugung oder Streckung des Daumenendgelenkes auf. Das Kind schreit beim Versuch der passiven Streckung, der Daumen bleibt in Beugestellung.

Handchirurgie in Siegen

Die handchirurgische Abteilung des St. Marien-Krankenhauses genießt seit Jahrzehnten einen überregionalen Ruf. Nach dem Wirken von Dr. Vinko Vrsalovic (1978 bis 2003) und Dr. Cuon Blechschmidt, der 2014 in den wohlverdienten Ruhestand wechselt, wurde die Klinik zum 1. August 2014 als Sektion in die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportverletzungen von Herrn Chefarzt Dr. Alois Franz integriert.

Quelle/Foto:
St. Marien- Krankenhaus Siegen

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