Siegerländer Unternehmer blickten nach Israel

Rückten das betriebliche Gesundheits- und Sozialmanagement am Beispiel von israelischen Unternehmen in den Blickpunkt (von links): Daniel Imhäuser, Simon Soesan und Serge Tcherniak.
Rückten das betriebliche Gesundheits- und Sozialmanagement am Beispiel von israelischen Unternehmen in den Blickpunkt (von links): Daniel Imhäuser, Simon Soesan und Serge Tcherniak.

Referenten von Keren Hayesod informierten bei Diakonie-Veranstaltung in Siegen über betriebliches Gesundheits- und Sozialmanagement

Siegen. Dass beim betrieblichen Gesundheits- und Sozialmanagement für Siegerländer Unternehmer ein Blick über den deutschen Tellerrand durchaus erhellend sein kann, bewiesen zwei israelische Referenten von Kered Hayesod im Restaurant “Bariton” im Siegener Apollo-Theater. Veranstalter des Abends mit zwei Vorträgen aus der Reihe “Mehr U(u)nternehmen” waren die Diakonie Sozialdienste.

Obwohl es in Israel pro 1000 Einwohner ein Fünftel weniger Ärzte gibt und das Pro-Kopf-Einkommen um ein Drittel geringer ist, ist die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen und Männern höher als in Deutschland. Einer von mehreren Gründen dafür dürfte sein, dass sich israelische Arbeitgeber schon etwas länger und wohl auch ein bisschen intensiver um das körperliche und seelische Wohlbefinden ihrer Belegschaft sorgen. Serge Tcherniak, Repräsentant des Vereins Vereinigte Israel Aktion “Keren Hayesod” aus Berlin, zählte eine ganze Reihe freiwilliger, aber keineswegs seltener Leistungen von Arbeitgebern in Israel auf. Sie reichen von Betriebssportvereinen, Fitnessangeboten, gemeinsamen Ausflügen, medizinischer Vorsorge, Gesprächen mit Diätologen oder Psychologen, Nichtraucherseminaren, Betriebskindergärten, Sommerlager für Kinder der Mitarbeiter, kürzeren Arbeitszeiten für Mütter bis zur Hilfe beim Autokauf oder Fortbildungsmaßnahmen. Bei einigen Angeboten muss sich der Arbeitnehmer finanziell beteiligen, andere sind für ihn kostenfrei.

Im Prinzip erzählte Serge Tcherniak nichts, was es zumindest vereinzelt so oder in ähnlicher Form nicht auch in Deutschland gibt. Aber das unternehmerische Bewusstsein, schon allein aus eigenem Interesse heraus etwas mehr für seine Mitarbeiter zu tun, scheint in Israel ausgeprägter. “Wer sich wohl fühlt, ist weniger krank, fehlt weniger, arbeitet mehr, ist loyaler, wechselt seltener den Arbeitsplatz, stellt der Firma sein hohes Wissen länger zur Verfügung, verhindert zu häufiges und teures Einarbeiten von neuen Mitarbeitern und bereitet sich und dem Arbeitgeber damit in der Summe weniger Stress und Sorgen”, fasste Tcherniak zusammen.

“Die heutigen Jugendlichen sind die Führungskräfte von morgen”, erinnerte Simon Soesan, Delegierter von Keren Hayesod aus Frankfurt. Er erläuterte Historie und Aktivitäten des 1920 in London gegründeten Vereins. War sein ursprüngliches Ziel, Juden aus aller Welt den Weg nach Hause – zuerst Palästina, später Israel – zu ermöglichen, so kümmert er sich heute um vieles mehr und betreibt zum Beispiel Bildungseinrichtungen und Kinderdörfer. Ferner möchte der Verein – die älteste gemeinnützige Organisation des Landes – eine Seite von Israel zeigen, die “man in den täglichen Nachrichten nicht sieht oder hört”. Dafür sammelt Kered Hayesod auch Geld (“Fundraising”), obwohl Soesan das Wort “Friendraising”, also das Gewinnen von Freunden, lieber mag.

Daniel Imhäuser, Geschäftsführer der Diakonie Sozialdienste und Gastgeber des Abends, sprach von einer besonderen Veranstaltung, die es so “zuvor weder in Berlin noch in Frankfurt gegeben” habe. Zudem hob er das Zusammenspiel von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gegenseitiger Verantwortung hervor. Unternehmer, die mehr über die Möglichkeiten von betrieblichen Gesundheits- und Sozialmanagement erfahren wollen, können sich gerne wenden an die Diakonie Sozialdienste unter 0271/22 19 010 oder per Mail.

Quelle: Diakonie Südwestfalen

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