Das „Wir“ zählt

Seniorin

Ein alltäglicher Fall zeigt, weshalb inzwischen Begriffe wie ganzheitlich oder nachhaltig auch in der Medizin ihre Daseinsberechtigung haben. Marianne B., 75 Jahre, klagt seit längerer Zeit über Probleme beim Gehen, nach einem ersten Hausarztbesuch stellt sich die Dame nun im Siegener Kreisklinikum beim Chefarzt der Neurologie, Prof. Dr. Martin Grond, vor. Hier in Weidenau soll stationär geklärt werden, welche der vielfältigen möglichen Ursachen bei der Patientin für die bei geriatrischen Patienten durchaus häufig anzutreffenden Probleme sorgen. Die sogenannte „Gangstörung“ kann nämlich sowohl orthopädisch, neurologisch oder gar psychiatrisch bedingt sein. Laut Prof. Dr. Grond zeigt sich bei einem solchen Fall schnell, „wie wichtig der interdisziplinäre und multiprofessionelle Ansatz für eine optimale Versorgung ist. Bei der ganzheitlichen Betrachtung geriatrischer Patienten ist die Diagnostik sowohl hinsichtlich körperlicher als auch psychischer Ursachen für uns elementar.“

Dabei sind die meisten der geriatrischen Diagnosen zunächst neurologisch oder psychiatrisch: Schlaganfall oder seine mildere Form, die TIA (Transiente Ischämische Attacke), Schmerzen, Schwindelsyndrome, Schlafstörungen, neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder die Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, kognitive Störungen und Polyneuropathien. Bei all diesen Krankheitsbildern sorgen Prof. Dr. Martin Grond, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Ärztlicher Direktor, und sein Team für eine umfassende klinische Untersuchung und Diagnostik mit anschließender individueller Therapie nach neuesten medizinischen Erkenntnissen. Unterstützt werden sie bei ihrer Arbeit von den vielen weiteren Experten der Inneren Medizin am Hause. Dabei wird je nach Erkrankung der Kardiologe, der Gastroenterologe oder auch der Pneumologe hinzugezogen, viele weitere Spezialisten aus anderen Fachbereichen, wie z.B. der Unfall- und orthopädischen Chirurgie, finden sich im über 100 Personen starken ärztlichen Team in Weidenau.

Den Experten der unterschiedlichen Fachbereiche steht hier mit Dr. Heiko Ullrich, dem Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik aber noch ein weiterer Spezialist zur Seite, an dem man so häufig gar nicht denken würde. Denn insbesondere bei älteren Patienten kann die Ursache für bestimmte Problematiken durchaus auch im psychischen Bereich liegen. „Das Ziel der Versorgung der Patienten zurück zu einer optimal erreichbaren Mobilität, Selbstständigkeit und aktiver Teilhabe am Leben lässt sich mit unserer psychiatrischen Kompetenz in Ergänzung zu den klassisch geriatrischen Disziplinen noch schneller und effektiver erreichen“, so Psychiater und Psychotherapeut Dr. Ullrich.

Auch wenn sich bei Marianne B. eine orthopädische Problematik als Ursache für die Gangstörungen herausstellte, war die ergänzende psychiatrische Betrachtung der Patientin hilfreich. Denn nicht selten gehen körperliche Einschränkungen in Folge des degenerativen Prozesses auch mit depressiven Episoden einher, die den Allgemeinzustand zusätzlich negativ beeinflussen.

Doch nicht nur aus ärztlicher Sicht wird in Weidenau für geriatrische Patienten gut gesorgt. Auch die Pflege bringt viele besondere Aspekte in den klinischen Aufenthalt mit ein. Die psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege befasst sich mit den Auswirkungen von Erkrankungen im Alltag unter besonderer Berücksichtigung des Beziehungsprozesses. Im Mittelpunkt der pflegerischen Tätigkeit stehen der Patient und seine persönlichen Anliegen. Angefangen über die Zuordnung von Bezugspersonen wird der Pflegeprozess eingeleitet und mündet in einem für jeden Patienten individuellen, gemeinsam zu erarbeitenden Pflegeplan.

„Die geriatrische Grundtugenden sind für unseren interdisziplinären Versorgungsansatz selbstverständlich“, betont Prof. Dr. Grond, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist. Sein multi-professionelles Team bietet den Patienten ein strukturiertes therapeutisches Konzept, das gezielt auf die jeweiligen krankheitsbedingten Einschränkungen und Behinderungen eingeht. In enger Abstimmung mit den anderen Fachärzten und speziell auf die Bedürfnisse neurologischer Patienten geschulten Pflegekräften und Therapeuten (Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie) wird ein individueller Therapieplan entwickelt. In einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen werden verschiedene Maßnahmen in Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt. Für den optimalen Genesungsprozess bietet die Abteilung in enger Zusammenarbeit mit dem hausinternen Sozialdienst zudem die Planung der bestmöglichen Versorgung nach der Entlassung. In Absprache mit den Patienten und den Angehörigen werden weitere ambulante Unterstützungsmaßnahmen, Hilfsmittelversorgungen oder weiterführende Pflegeangebote nach dem stationären Aufenthalt geplant und umgesetzt.

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies aus Sicht der Experten vom Siegener Kreisklinikum: eine patientenorientierte Altersmedizin bedingt die aktive Zusammenarbeit von Neurologie, Innerer Medizin, Unfallchirurgie, Urologie und Psychiatrie, ergänzt um viele multi-professionelle Therapieangebote. Oder eben: „Wir sorgen zusammen individuell für eine schnelle Wiedererlangung der Alltagskompetenz der uns anvertrauten Patienten.“

Text: Arnd Dickel
Foto: © Ocskay Bence - Fotolia.com

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