Chefarzt Dr. Rainer Grübener warnt vor nächtlichen Atemaussetzern

Young woman can't sleep because of boyfriend's snoring

Siegen. Ob jung oder alt, Frau oder Mann – treffen kann es jeden. Wer sich schlafend so anhört als würden etliche Bäume mit der Motorsäge gefällt, ist nicht nur regelmäßig müde, sondern gefährdet damit auch seine Gesundheit. Zu diesem Thema referierte Dr. Rainer Grübener in der Cafeteria im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Er ist Chefarzt für Innere Medizin im Krankenhaus Bethesda in Freudenberg.

Laut Robert-Koch-Institut (Berlin) leidet ein Viertel der Erwachsenen an Schlafstörungen. „Sinken Unterkiefer und Zunge nach hinten, verengen die Luftwege – der Mensch schnarcht“, erklärte der Mediziner anhand von Schaubildern.

Chefarzt Dr. Rainer Grübener
Chefarzt Dr. Rainer Grübener

 Übergewicht und vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln sind weitere Ursachen, die zu den lästigen Geräuschen führen. Diese lassen sich minimieren, indem Betroffene auf abendlichen Alkoholkonsum verzichten und ihr Körpergewicht reduzieren. Folgeerkrankungen sind nicht ungefährlich: Lautes Schnarchen kann ein Symptom für eine sogenannte Schlafapnoe (griech. ápnoia = nicht atmen) sein.

Dies ist eine Krankheit, die durch nächtliche Atemstillstände während des Schlafs verursacht wird. Dabei kommt es zu Atempausen, die von wenigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten dauern können. Harmlos ist dieses Phänomen keineswegs. Herz- und Kreislaufprobleme, Bluthochdruck sowie erhöhte Tagesmüdigkeit und Schlafdrang (Narkolepsie) können Folgen sein. „Viele schlimme Unfälle sind durch Schlafzwang von Personen ausgelöst worden. So auch im Atomreaktor von Tschernobyl im Jahr 1986 durch völlig übermüdetes Kontrollpersonal“, erläuterte Grübener. Der Experte rät, mithilfe von Beobachtung durch den Partner eine Anfangsdiagnose zu stellen. Falls nächtliche Atemaussetzer mehr als zehn Sekunden dauern oder das Schnarchen sehr unregelmäßig und unruhig ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden. „Tagsüber atmen wir zehn bis zwölf, im Schlaf acht Mal pro Minute“, so der Chefarzt. Ein Schlaflabor hilft für eine genaue Diagnose. Während einer ganzen Nacht werden dort am schlafenden Patienten Körperfunktionen, Augenbewegungen, Atmung und Muskelspannungen aufgezeichnet. Am nächsten Morgen erhält der Arzt ein genaues Ergebnis von einzelnen Schlafstadien, Atemstillstand und Wachzustand. „Der Höchstwert eines Atemaussetzers, den ich bei einem Menschen erlebt habe, liegt bei 2 Minuten und 54 Sekunden“, erzählte Grübener. Bei schwerer Schlafapnoe ist die gängigste Behandlungsmethode eine CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure), die Betroffene während des Schlafs tragen. Über einen flexiblen Schlauch strömt ein leichter Überdruck über Nase und/oder Mund in den Rachenraum und sorgt dafür, dass die oberen Atemwege nicht zusammenfallen. Das Schnarchen wird verringert und Schlafapnoe verhindert. Für Betroffene mit leichten Symptomen bieten sich Protrusionsschienen an, die in der Nacht wie Zahnspangen getragen werden. Unterkiefer und Zunge werden dabei nach vorne positioniert und das Gebiss geöffnet – der Rachenraum ist weniger eingeengt.

 

Quelle/Foto:
Diakonie

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