Donnerstag , 21 September 2017
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Tag des Schlaganfalls: Chefarzt informiert

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Prof. Dr. Grond stellt zum Tag des Schlaganfalls wichtige Neuigkeiten in Diagnostik und Therapie vor

Seien wir doch mal ehrlich – Angst vor einem Schlaganfall haben wir alle, sobald wir mal die 40, spätestens aber die 50 überschritten haben. Jedes Jahr erleiden allein in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Damit ist er ist die dritthäufigste Todesursache und zudem der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. Weltweit sterben jede Minute sechs Menschen an einem Schlaganfall, insgesamt waren es im Jahr 2012 laut der WHO 6,7 Millionen Menschen. Alarmierende Zahlen, die uns allen zu denken geben sollten.

Einen Schlaganfall erleidet man, wenn die Blutgefäße „verstopft“ sind oder „platzen“. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel, der die Hirnfunktionen und somit viele Steuerungsfunktionen des Körpers stark beeinträchtigt. Es kommt zu Bewusstseinsstörungen, halbseitigen Lähmungen und Ausfallerscheinungen des Sprech- oder Sehvermögens. Das Risiko für einen Apolex (Fachbegriff für den Schlaganfall) wird durch die erbliche Veranlagung, den hohen Blutdruck, Diabetes und Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) deutlich erhöht. Um vorzubeugen sollte man auf alarmierende Hinweise achten. Und im Notfall ist schnelles Handeln gefordert. Denn jede Minute zählt, um eventuelle Folgeschäden zu vermindern.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das richtige Handeln beim „kleinen“ Schlaganfall, der sogenannten TIA (Transitorisch ischämische Attacke). Die Symptome sind identisch (Sprachstörungen, „schiefer“ Mund, Schwäche von Arm oder Bein, Schwarzsehen auf einem Auge), die Dauer beträgt meistens nur wenige Minuten. „Hier muss eine sofortige Einweisung auf eine Schlaganfall Spezialstation (Stroke Unit) erfolgen“ so Professor Grond, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Nach dem kleinen Schlaganfall droht ein großer Schlaganfall in den nächsten Tagen in bis zu 20% der Fälle. Eine kürzlich im angesehenen New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie von 61 Schlaganfallzentren aus 21 Ländern konnte zeigen, dass durch eine frühzeitige Behandlung dieses Risiko auf unter 4% gesenkt werden kann. „Ein tolles Ergebnis im Kampf gegen den Schlaganfall! Deutschland hat das beste Stroke Unit Netz weltweit, derartige Daten zeigen, wie sehr sich diese Struktur bewährt“.

Prof. Dr. Martin Grond

Prof. Dr. Martin Grond

Neben vielen bekannten Folgeschäden wie Beeinträchtigungen im Gangbild oder beim Sprechen ist die Schluckstörung (Dysphagie) eine Schlaganfallfolge, die häufig im Hinblick auf damit verbundene Risiken unterschätzt wird. Meistens bleibt sie unbemerkt, sie führt aber häufig zu Komplikationen und weiteren Problemen. Jeder der vielen hundert Schluckakte pro Tag birgt die Gefahr, sich an der aufgenommenen Nahrung und der Flüssigkeit, nicht selten auch am eigenen Speichel, zu verschlucken, und diese Elemente unbeabsichtigt in tiefere Lungenanteile zu aspirieren. Laut Prof. Dr. Grond „entwickeln sich häufig Pneumonien (Lungenentzündungen), die bei Schlaganfallpatienten verantwortlich für 20 % der Todesfälle im ersten Erkrankungsjahr sind.“ Aus Altersgründen kann selbst eine geringfügige Schluckstörung zur vollständigen Nahrungsverweigerung mit Gewichtsabnahme und Verschlechterung des Allgemeinzustands führen.

Genau diese Problematik stellt Prof. Dr. med. Martin Grond, Ärztlicher Direktor des Siegener Kreisklinikums und Chefarzt der Klinik für Neurologie im Zusammenhang mit dem Tag des Schlaganfalls, der jährlich am 10. Mai im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, in den Fokus seiner aktuellen Anmerkungen. Mittels einer speziellen Diagnostik, im Fachjargon FESS bzw. FEES genannt, untersuchen Prof. Dr. Grond und seine Mitarbeiter im Kreisklinikum Schlaganfallpatienten nach der ersten Genesungsphase endoskopisch, um deren Schluckverhalten und damit verbundene Risiken zu betrachten. Bei dieser Untersuchung mittels spezieller Geräte wird ein dünnes, flexibles Endoskop durch die Nase eingeführt. Damit können Elemente des nicht sichtbaren Schluckvorganges beobachtet werden. Bei dieser Endoskopie können Funktionen der am Schlucken beteiligten Strukturen wie Velum, Zungengrund, Schleimhaut oder Kehlkopf isoliert beurteilt werden. Zudem lassen sich einzelne Funktionen wie das Öffnen und Schließen der Stimmlippen oder das Speichelschlucken überprüfen.

Die anschließende Schluckprüfung wird dann mit verschiedenen Konsistenzen (flüssig, breiig, fest) und unterschiedlich großen Portionen durchgeführt. Die Fachkräfte beobachten, ob der Schluckakt rechtzeitig ausgelöst wird, ob Elemente der zugeführten Speisen oder Getränke in den Kehlkopfeingang gelangen oder in die Luftröhre aspiriert werden. Diese aufwendige Diagnostik kann auch bei bettlägerigen Patienten durchgeführt und ohne große unangenehme Beeinträchtigung beliebig oft wiederholt werden.

„Dank dieser Diagnostik gelingt es uns frühzeitig, entsprechend gefährdete Patienten zu erkennen und bei der anschließenden langwierigen Therapie eines Schlaganfalls besondere Maßnahmen einzuleiten, die solche zuvor genannte Risiken mindern“, betont Chefarzt Prof. Dr. Grond. Zwar ist allen Mitarbeitern der Klinik für Neurologie die Prävention zur Vermeidung eines Schlaganfalls besonders wichtig, aber mit der Aufklärung bzgl. dieser Probleme bei Betroffenen, erhofft man sich auch, eine weitere Sensibilität für die Versorgung der Patienten zu schaffen. Wichtig ist Prof. Dr. Grond aber, anlässlich des Tages des Schlaganfalls, nochmals für eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und niedrigem persönlichen Stresslevel zu appellieren.

Anzeichen eines Schlaganfalls können sein:

  • einseitige Lähmung ohne klare Ursache, meist im Arm und/oder Bein
  • Taubheitsgefühl in Arm, Bein, im Gesicht (taubes, pelziges oder kribbeliges Gefühl), einseitig hängender Mundwinkel, Lähmung einer Gesichtshälfte
  • Sehstörungen
  • Sprechstörungen bis hin zum zeitweiligen Verlust des Sprachvermögens
  • Verminderte Ausdrucksfähigkeit (verworrene Äußerungen)
  • Verständnisstörungen (Anweisungen werden falsch oder gar nicht umgesetzt)
  • Plötzliche Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
  • Starke Kopfschmerzen (setzen schlagartig ein und sind kaum zu ertragen: typisch bei einer Gehirnblutung)

FAST-Test:

  • Die Abkürzung „FAST“ steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit)
  • Face die betroffene Person soll lächeln
  • Arms die betroffene Person soll beide Arme gleichzeitig heben und dabei die Handinnenflächen nach oben drehen
  • Speech die betroffene Person soll einen einfachen Satz nachsprechen
  • Time Sollte der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute.

Wählen Sie sofort den Notruf 112 und schildern Sie die Symptome.

Quelle: Kreisklinikum Siegen