Freitag , 28 Juli 2017
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Für einen optimalen Start ins Leben

(Von links) Die künftige Chefärztin der Geburtshilfe und Pränatalmedizin im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen Dr. Flutura Dede, die Hamburger Ärztin und international zertifizierte Still- und Laktationsberaterin Gudrun von der Ohe sowie Hebamme und Pflegerische Leiterin der Geburtshilfe Andrea Kühn informierten über babyfreundliche Geburtskliniken. Auslage

(Von links) Die künftige Chefärztin der Geburtshilfe und Pränatalmedizin im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen Dr. Flutura Dede, die Hamburger Ärztin und international zertifizierte Still- und Laktationsberaterin Gudrun von der Ohe sowie Hebamme und Pflegerische Leiterin der Geburtshilfe Andrea Kühn informierten über babyfreundliche Geburtskliniken.

Diakonie Klinikum Jung-Stilling informierte über „babyfreundliche Geburtsklinik“

Siegen. Für Eltern ist es ein unvergesslicher Moment, wenn sie ihr Kind zum ersten Mal in den Armen halten. Dabei entsteht ein Augenblick voller Liebe und Verbundenheit, was für die gesunde Entwicklung eines Babys wichtig ist. Um diese Zusammengehörigkeit zu stärken, möchte das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen mit Dr. Flutura Dede, die ab Januar als Chefärztin die Geburtshilfe und Pränatalmedizin leiten wird,  zu einer babyfreundlichen Geburtsklinik werden. Dahinter verbirgt sich die internationale Initiative „babyfreundlich“ von WHO und Unicef. Sie setzen sich für verbesserte Rahmenbedingungen in Geburtskliniken ein, um die Eltern-Kind-Bindung zu schützen und das Stillen zu fördern. Was in einer Klinik erfüllt werden muss, um als babyfreundliche Geburtsklinik ausgezeichnet zu werden, hat das Interesse niedergelassener und angestellter Hebammen und Ärzte aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein und Lahn-Dill-Kreis geweckt. Im Jung-Stilling-Krankenhaus informierten sie sich in einer Fortbildungsveranstaltung. Gemeinsam mit Andrea Kühn, Hebamme und Pflegerische Leiterin der Geburtshilfe, konnte Dede die Hamburger Ärztin Gudrun von der Ohe, international zertifizierte Still- und Laktationsberaterin sowie Gutachterin für babyfreundliche Krankenhäuser, als Referentin gewinnen.

Um das Qualitätssiegel „babyfreundliche Geburtsklinik“ zu erhalten, gibt es einen Katalog mit zehn Kriterien, die Einrichtungen nachweisen und umsetzen müssen. Zu den Standards gehört unter anderem, dass ein Kind nach der Geburt mindestens eine Stunde auf dem Bauch der Mutter liegen bleibt, bevor es gewogen und gemessen wird. Außerdem wird jedes Baby ohne Zusatznahrung gestillt, es sei denn gesundheitliche Gründe verhindern dies. „Es gibt nichts besseres als Muttermilch. Sie regt den Stoffwechsel Neugeborener an, versorgt das Kind mit einem speziellen Verdauungs-Enzym und schützt mit seinem Immunstoff vor Krankheiten“, sagte von der Ohe.

Auch Mütter profitieren vom Stillen. Sie gewinnen an Selbstvertrauen, können sich immer besser an ihre neue Rolle gewöhnen und die Gebärmutter bildet sich schneller zurück. „Beim Stillen sinkt das Risiko der Mutter, später an Osteoporose, Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken“, erklärte die Hamburger Ärztin. Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes mellitus würden auch seltener vorkommen.
„Wir möchten eine babyfreundliche Geburtsklinik werden, da die Initiative von WHO und Unicef sowohl für Säuglinge als auch für Mütter gesundheitsfördernd ist“, sagte Dede. „Schon jetzt  ermöglichen wir nach der Geburt eine Stunde ununterbrochenen Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Müttern und Neugeborenen“, erklärte Kühn. Bereits im Kreißsaal können Mütter das Neugeborene erstmals anlegen. „Direkt nach der Geburt wird die Milchproduktion optimal stimuliert. Die sogenannte Vormilch, die wichtige Abwehrstoffe enthält,  schützt Babys“, so Dede. Doch es würden natürlich auch all die Frauen respektiert und unterstützt, die nicht stillen möchten, betonte Dede. Seit September 2015 können Eltern kontinuierlich mit ihrem Baby in einem Zimmer zusammen sein.

In einem Film wurden den Teilnehmern Phasen nach verschiedenen Geburten vorgestellt. Dabei wurden die Neugeborenen auf den Bauch der Mütter gelegt, wo die Säuglinge verschnaufen und sich erholen konnten. Im Anschluss stießen sie sich mit den Füßen am Bauch der Mutter ab und robbten sich zur Brust. Zwischendurch saugten sie an ihren Händen. „Das machen sie, weil die Hände noch nach Fruchtwasser riechen. Die Brustwarze riecht ähnlich und scheint den Neugeborenen den Weg zu weisen“, so von der Ohe. Mit Suchbewegungen des Kopfes, weit geöffnetem Mund und leisem Schmatzen erreichten alle Babys nach etwa einer Stunde die mütterliche Brust und fingen an zu saugen.

In den Achtzigerjahren war es üblich, Mutter und Kind nach der Geburt zu trennen. So sollten sich Mütter zunächst ausruhen. Durch den Einsatz von Industrieprodukten, wurde das Stillen an der Brust überbrückt. „Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse, die es umzusetzen gilt“, so von der Ohe.

Zehn Kriterien für das Qualitätssiegel „babyfreundliche Geburtsklinik“

  1. Die Vorgaben der Initiative müssen vom Krankenhaus eingehalten werden. Alle Mitarbeiterinnen sind speziell geschult, so dass sie beim Anlegen, Stillen und bei allen Fragen rund ums Baby beraten und anleiten können.
  2. Schwangere werden in Vorgesprächen über die Bedeutung und Praxis des Stillens informiert.
  3. Mutter und Baby haben die Möglichkeit, mindestens eine Stunde nach der Geburt ununterbrochenen Haut-zu-Haut-Kontakt zu haben.
  4. Das Personal zeigt den Müttern das richtige Anlegen und erklärt, wie sie die Milchproduktion aufrechterhalten.
  5. Säuglinge bekommen ausschließlich Muttermilch und keine weitere Nahrung – es sei denn es ist medizinisch notwendig.
  6. In der Klinik bekommen gestillte Babys keine Schnuller oder Flaschensauger, damit es zu keiner Saugverwirrung des Säuglings kommt.
  7. Mutter und Kind können kontinuierlich zusammen sein.
  8. Das Personal ermuntert die Mutter, das Kind nach Bedarf zu stillen.
  9. Die Mütter bekommen bei der Entlassung aus der Klinik Adressen von Stillgruppen und weiteren Mutter-Kind-Aktivitäten.
  10. Im Krankenhaus wird keine Werbung für Muttermilchersatzprodukte gemacht.

Quelle/Foto: Diakonie