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Mehr Lebensqualität für Herzkranke schaffen

Informierten im Siegener Kulturhaus Lÿz über moderne Therapiemethoden bei einer verminderten Pumpfunktion des Herzens (von links): Prof. Dr. Dursun Gündüz, Dr. Johannes Rixe und Privatdozent Dr. Damir Erkapic (rechts) vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen sowie Gastreferent Dr. Benedikt Münz vom Kreiskrankenhaus Dormagen.

Mediziner informierten sich bei Fachleuten über aktuelle Therapiemethoden

Siegen. Ist das Herz nicht fähig, die benötigte Blutmenge durch den Körper zu pumpen und so die Organe mit Sauerstoff und Energie zu versorgen, müssen Betroffene individuell behandelt werden. Um dem gerecht zu werden, entwickeln sich Therapiemethoden heutzutage so weiter, dass für jeden Fall die passende Maßnahme eingesetzt werden kann. Wie diese aktuell aussehen, haben in einem Symposium, zu dem das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen eingeladen hatte, vier Fachleute vorgestellt. Sie informierten über moderne Therapieformen bei Herzschwäche, Herzklappenfehlern sowie über die Integration der Palliativmedizin in die Kardiologie. Dazu lockte es Mediziner aus Siegen und Umgebung ins Siegener Medien- und Kulturhaus Lÿz.

„Luftnot, Abgeschlagenheit und Wassereinlagerungen in den Beinen weisen oft auf eine Mitralklappeninsuffizienz hin“, sagte Dr. Johannes Rixe, Leiter der nichtinvasiven kardialen Bildgebung im Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Dabei schließt sich die Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer nicht ordnungsgemäß. Ursächlich ist unter anderem eine strukturelle Schädigung der Klappe. Folglich kommt es zu einem ständigen Rückfluss des Blutes in die Lunge, sodass in fortgeschrittenen Stadien selbst alltägliche Dinge wie Treppensteigen zur Herausforderung werden. Helfen herzentlastende Medikamente nicht mehr, kann eine kleine kunststoffummantelte Klammer, der sogenannte Mitraclip, in die Herzklappe eingesetzt werden. Patientenschonend und mit kleinsten Schnitten wird die Klammer über die Leistenvene in das Herz eingebracht, verschließt die undichte Stelle und sorgt für neue Spannung im Klappenring. „Vor allem für Patienten höheren Alters oder jene, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen geschwächt sind, stellt dieses Verfahren die derzeit schonendste Methode dar“, so Rixe.

Eine weitere häufig auftretende Herzklappenkrankheit ist die Aortenklappenstenose. Dabei verengt sich die Aortenklappe und der Blutstrom vom Herzen in den Körper ist gestört. Neben Luftnot sind oft Brust- oder Herzschmerzen sowie Schwindel typische Symptome. Um Betroffene nicht mit einer offenen Herzoperation zu belasten, wurden Herzklappenprothesen entwickelt, die zusammengefaltet per Herzkatheter eingeführt und am Einsatzort entfaltet werden. „Das Verfahren ist für jene von Vorteil, die bisher nicht versorgt werden konnten – beispielsweise gesundheitlich vorbelastete oder ältere Patienten“, erklärte Prof. Dr. Dursun Gündüz, Leiter der Kardiologie und Angiologie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling.

Verschiedene Grunderkrankungen am Herzen können, wenn sie fortschreiten und nicht behandelt werden, zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Das Therapieziel ist neben einer Linderung der belastenden Symptome einen vorzeitigen Tod zu verhindern. So kann zum Beispiel ein spezieller Schrittmacher (Resynchronisationsgerät), der im Bereich des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt wird, helfen. Das kleine Implantat gibt leichte Stromimpulse an das Herz ab, regt es zum Pumpen an und stärkt so die Herzleistung. Ein unter der Haut eingepflanzter Defibrillator hingegen gibt einen stärkeren Stromstoß ab und kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen stoppen. „Die Grundlage für den Einsatz solcher Implantate ist stets eine auf den Patienten angepasste Therapie“, erklärte Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Leiter der Elektrophysiologie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Erst im Anschluss an eine optimale medikamentöse Therapie kommt, wenn nötig, ein chirurgischer Eingriff infrage.

Passiert es, dass schwere Herzkrankheiten trotz bestmöglicher medizinischer Therapie fortschreiten, kann die Palliativmedizin helfen. Oberstes Ziel ist es, Beschwerden wie Atemnot, Schmerzen oder Angstgefühle zu lindern. Die Integration der Palliativmedizin in die Kardiologie war Thema beim Vortrag von Gastreferent Dr. Benedikt Münz, Chefarzt der Kardiologie und Angiologie im Kreiskrankenhaus Dormagen. Er verdeutlichte die Wichtigkeit einer Vorsorgevollmacht. Diese wird eingesetzt, wenn ein Mensch durch eine schwere Krankheit nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen. „Denn Ehepartner oder Kinder können nicht automatisch medizinische Vorgehensweisen für den Betroffenen bestimmen“, so Münz. Für die Vollmacht können bequem Vordrucke verwendet werden, in denen formuliert wird, welche Maßnahmen Ärzte unternehmen oder unterlassen sollen und wer stellvertretend Aufgaben übernehmen soll.

Einen Vordruck für eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung zum Herunterladen gibt es beispielsweise auf der Webseite des Diakonie Klinikums Jung-Stilling unter:
http://www.jung-stilling.de/aktuelles/publikationen/

 

 

Quelle: Diakonie

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