Dienstag , 12 Dezember 2017
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Arthrose – Ursache und Wirkung

Gelenke machen Bewegungen erst möglich. Gesunder Knorpel federt Belastungen wie ein „Stoßdämpfer“ ab und sorgt für das reibungslose Zusammenspiel bei allen Körperbewegungen. Der medizinische Fachbegriff Arthrose bezeichnet einen Verschleiß am Gelenkknorpel. Dieser beginnt meist mit einem Ungleichgewicht zwischen der Belastung und der tatsächlichen Belastungsfähigkeit, d.h. wenn dem Gelenk zu viel zugemutet wird. Ausschlaggebend ist der Faktor Zeit: Hält die falsche Belastung lange an, wird immer mehr Knorpelgewebe zerstört, Gelenkschmerzen treten auf  – aber: anders als ein Knochen, der nach einem Bruch wieder zusammenwächst, kann sich geschädigtes Knorpelgewebe nicht neu bilden.

Die Arthrose beginnt häufig mit Veränderungen der Knorpelsubstanz und endet in einer kompletten Zerstörung des Gelenkes. Eine Endoprothese wird nötig. Doch wie kommt es dazu? Lässt sich der Prozess aufhalten oder gar verhindern? Als moderne Orthopädie und Sporttraumatologie möchten wir Ihnen umfangreiche Informationen bieten.

Die Gelenke: Leistungsträger des Körpers

Das menschliche Skelett ist ein Beispiel für perfekte Zusammenarbeit. Mehr als 200 Knochen bilden das Skelett eines Erwachsenen. Die Knochen sind durch Gelenke miteinander verbunden, wodurch Bewegung erst ermöglicht wird. Beweglich zu sein ist für einen gesunden Menschen so selbstverständlich, dass den komplizierten Mechanismen dahinter keine Aufmerksamkeit zuteil wird — zumindest solange sie ihre Funktion erfüllen und Gelenkschmerzen nicht auftreten.

Trotz unterschiedlicher Funktionen sind alle Gelenke ähnlich aufgebaut: Mindestens zwei Gelenkanteile bewegen sich gegeneinander. Dort, wo die Knochen aufeinandertreffen, überzieht eine elastische Knorpelschicht die Gelenkflächen. Beide Komponenten umgibt eine Kapsel, die das Gelenk stabilisiert und schützt. Die innere Zellschicht dieser Kapsel produziert eine Gelenkflüssigkeit (Synovia), sie sorgt als Schmiermittel für eine reibungsarme Beweglichkeit des Gelenks und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen.

Beweglichkeit braucht Stabilität

Reibungslose Zusammenarbeit — das ist es, was beweglich macht und Oberbelastungen entgegenwirkt. Im Bewegungsablauf spielt neben dem passiven Teil des Bewegungsapparates, also den Gelenken und dem Skelett, auch der aktive Teil eine entscheidende Rolle. Muskeln, Sehnen und Bänder sorgen dabei nicht nur für Bewegung, gemeinsam mit der Gelenkkapsel garantieren sie auch die Stabilität des Gelenks.

Im Alltag wirken mechanische Kräfte auf das Gelenk ein, die der gesunde Knorpel wie ein Stoßdämpfer abfedert. Diese Kräfte können sehr groß sein, ganz besonders in der unteren Körperhälfte. So verteilt sich beispielsweise beim aufrechten Stehen das Körpergewicht auf beide Beine. Beim Balancieren auf einem Bein muss die entsprechende Seite das zwei- bis dreifache des Körpergewichts allein tragen, weil die Auflagefläche, die den Druck aufnimmt, nur wenige Quadratzentimeter groß ist.

Belastung hat Grenzen

Leben ist Bewegung. Laut Statistik hat jeder Mensch an seinem 60. Geburtstag die Erde einmal zu Fuß umrundet, was nicht spurlos an den Gelenken „vorübergeht“. Vor allem Hüft- und Kniegelenke werden durch wechselseitige Belastungen beim Gehen stark gefordert und auch abgenutzt. Wer aber hieraus folgert, eine Schonung der Gelenke bedeutet, sie auch zu schützen und damit die Arthose zu vermeiden, liegt falsch. Richtig ist, zu viel oder falsche Bewegung schadet den Gelenken. Denn Knorpel aufbauende und Knorpel abbauende Prozesse bilden ein empfindliches Gleichgewicht, das nur bis zu einem bestimmten Grad Fehlbelastungen toleriert. Alles darüber hinaus kann Schäden verursachen und zu Arthrose mit Gelenkschmerzen führen.

Der Beginn von Gelenkschmerzen

Bewegung ist für gesunde und erkrankte Gelenke gleichermaßen wichtig. Wissenschaftliche Untersuchungen haben eindrucksvoll bestätigt, dass 20 Tage Bettruhe den Gelenken mehr schadet als 30 Jahre aktive Beanspruchung. Die Erklärung dafür ist einleuchtend: Nur durch regelmäßige Bewegung wird auch eine ausreichende Menge an Gelenkflüssigkeit gebildet, die sich gleichmäßig verteilt und so das Gelenk geschmeidig hält. Geschieht dies nicht, wird der Knorpel von der Nährstoffversorgung abgetrennt und muss hungern. Eine höhere Verletzungsgefahr, fehlende Regeneration und der Verlust von Knorpelzellen können die Folgen sein — was den Beginn der Arthrose darstellt.

Arthrose — Überbelastung mit Folgen.

Eine Arthrose ist ein fortschreitender Krankheitsprozess meist über viele Jahre, erste Beschwerden können deshalb oft relativ spät auftreten. Die Schäden am Knorpel lassen sich nicht mehr rückgängig machen, lediglich gegen das schnelle Fortschreiten des Krankheitsprozesses kann etwas unternommen werden. Die moderne Orthopädie warnt jedoch: Die verständliche Reaktion vieler Betroffener, das Gelenk nur noch so wenig wie möglich zu bewegen, ist aber falsch.

Bei bereits bestehender Arthrose fördert die Mangelernährung des noch vorhandenen Restknorpelgewebes durch mangelnde Bewegung ein weiteres Fortschreiten der Arthrose. Deshalb ist es besonders wichtig, auch bei Gelenkschmerzen das Gelenk ohne große Belastung beweglich zu halten und die Muskulatur zu kräftigen.

Symptome und Schwierigkeiten

Schreitet der Abbau der schützenden Knorpelschicht weiter fort, wird auch der Knochen mit in den Krankheitsprozess einbezogen. Die verbliebene Knorpelschicht kann die Belastung nicht mehr abfangen und das reibungslose Gleiten funktioniert nicht mehr. Um die Gelenkfunktionen aufrecht zu erhalten, vergrößern sich die Gelenkflächen. Dabei verformt sich das Gelenk, die freiliegenden Knochenflächen reiben sich gegenseitig auf, es kommt zu schmerzhaften Entzündungen — der Kreislauf beginnt. Die Arthrose begünstigt Entzündungen — Entzündungen wiederum die Arthrose. Mit zunehmender Verformung des Gelenks folgen Muskelverspannungen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Gelenkschmerzen. Häufig sind sogar mehrere Gelenke von der Arthrose betroffen, nicht nur das Hüftgelenk oder Kniegelenk, sondern besonders häufig die kleinen Gelenke an den Händen.

Quelle: marienkrankenhaus.com