DRK-Kinderklinik ruft zum bewussten Umgang mit Alkohol auf

Jugend_und_Alkohol

Für viele Menschen ist die bevorstehende Karnevalszeit eine Zeit des Feierns und der Fröhlichkeit. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener Kinderklinik bedeutet es ganz einfach mehr Arbeit, die nicht sein müsste. Statistisch gesehen behandelt man auf dem Wellersberg rund einen jugendlichen Komasäufer, der vom Rettungsdienst oder Freunden eingeliefert wird, pro Woche. „Das mag für manchen jetzt nicht viel sein, uns jedoch ist es Anlass genug, nochmal vor den wilden Tagen darauf hinzuweisen, dass der Umgang mit Alkohol bei Jugendlichen doch maßvoll erfolgen sollte.“ So bringt es Kliniksprecher Arnd Dickel kurz auf den Punkt.

Denn leider ist es nicht nur die Gesamtzahl, die aus Sicht der Klinik durchaus bedenklich erscheint. Vielmehr sollten andere Tendenzen durchaus zum Nachdenken und zum Auseinandersetzen mit dem Thema „Alkohol und Jugend“ anregen. So belegen die internen Statistiken der DRK-Kinderklinik, dass inzwischen ein nahezu ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei den behandelten Patienten vorliegt. Hier sind eben in den letzten Jahren deutlich mehr Mädchen als Betroffene hinzugekommen. Und das Einstiegsalter ist auch immer jünger geworden. 12-jährige Patienten nach übermäßigem Alkoholgenuss mit schweren Symptomen sind nicht selten im Jahresverlauf zu verzeichnen. Lt. aktueller Statistiken wurden im Jahr in Deutschland 26.673 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt. (Quelle: Krankenhausdiagnose-Statistik für das Jahr 2012)

Dass das Komasaufen auch von den Peergroups, also dem sozialen Umfeld der Patienten durchaus akzeptiert wird, zeigen einzelne Fälle. So erhalten die Jugendlichen Besuch von ihren Freunden, wobei man den Aufenthalt eher als Trophäe denn als Niederlage ansieht. „Nicht selten berichten unsere Kinderkrankenschwestern von Freunden, die betroffene Patienten besucht haben und dann Wochen später als Patienten eingeliefert werden. Damit man halt in der Gruppe auch Akzeptanz findet“, so interpretiert man in der Klinik diese seltsamen Vorkommnisse. Bettina Kowatsch, erfahrene Kinderkrankenschwester und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Klinik, spricht es noch konkreter an: „Jugendliche sollten sich hier nicht dem Gruppenzwang beugen und auch eine Stärke aus dem „Nein zu Alkohol“ für sich ableiten.“

Neben der medizinischen Versorgung, die zuweilen auch aufwendiger ausfällt, arbeitet die Klinik seit langer Zeit erfolgreich zusammen mit den Mitarbeitern des Projektes „HaLT“ (Hart am LimiT) des Kreises Siegen Wittgenstein, um aktiv etwas gegen diese Entwicklung zu tun. Diese bieten Jugendlichen und deren Eltern Unterstützung im Nachgang zu solchen Vorfällen an. Hier wünschen sich alle Beteiligten eine höhere Nutzung dieses kostenlosen Angebotes.

Da ein früher Einstieg bzw. ein starker Missbrauch die Entwicklung der Jugendlichen durchaus negativ beeinflussen kann, appelliert man seitens der Klinik nun rund um Karneval als Hochzeit an die Eltern und die Öffentlichkeit, ein Auge auf die Kombination von Jugendlichen und Alkohol zu werfen. Nachfolgend dazu ein paar Tipps der BZgA:

• Der Grundstein wird am Anfang gelegt
Die Erziehung zur Unabhängigkeit beginnt im Kleinkindalter, lange bevor Alkohol oder andere Drogen tatsächlich ins Spiel kommen. Ein gutes Selbstwertgefühl und eine stabile Persönlichkeit sind der beste Schutz
gegen Abhängigkeit. Kinder brauchen die Unterstützung ihrer Eltern, um beides entwickeln zu können. Nur wenn sie sich geliebt, anerkannt, geborgen und für voll genommen fühlen, können sie lernen, sich selbst ernst zunehmen und ihr Leben aktiv zu gestalten.

• Eltern sind Vorbilder
Mütter wie Väter tragen viel zur Vorbeugung bei, indem sie ihrem Kind genau das vorleben, was sie sich von ihrem Kind wünschen: dass Alkohol kein Gewohnheitsgetränk und kein Lebensmittel ist. Ein weiterer Schritt ist es, sich selbst und den eigenen Alkoholkonsum immer mal wieder zu hinterfragen und zu prüfen – und dem Kind auch zu erzählen, warum man diese Woche statt des gewohnten Feierabendbiers Mineralwasser oder Saft trinkt. Fast jedes fünfte Kind wächst in einer suchtbelasteten Familie auf; das Erleben von Alkoholproblemen in der Kindheit erhöht das Risiko, im späteren Leben selbst Alkoholprobleme zu entwickeln. Wenn Sie als Elternteil also verantwortungsvoll und maßvoll mit Alkohol umgehen, schaffen Sie eine wichtige Grundlage dafür, dass Ihr Kind das später auch tun wird.

• Setzen Sie eine klare Grenze
Je eher Kinder beginnen, Alkohol zu trinken, desto größer ist die Gefahr, dass sie zu gewohnheitsmäßigen Alkoholkonsumenten werden, woraus wiederum eine Abhängigkeit erwachsen kann. Eltern haben Einfluss auf
ihre Kinder, diesen sollten sie nutzen und geltend machen: indem sie ihrem Verantwortung wahrnehmen, Stellung beziehen und möglichst lange verhindern, dass ihr Kind bei Familienfeiern Alkohol trinkt. Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren – auch bei „Besuchskindern“ – müssen Sie in Ihren eigenen vier Wänden nicht dulden. Diese Altersgrenze zieht auch das Jugendschutzgesetz: In der Öffentlichkeit darf Alkohol weder an unter 16-Jährige abgegeben noch von ihnen getrunken werden.

• In Kontakt bleiben
Versuchen Sie, im Gespräch mit Ihrem Kind zu bleiben, auch wenn dies vor allem in den Jahren der beginnenden Pubertät schwierig sein kann. Ihr Kind setzt sich mit vielen Fragen und Themen auseinander und beginnt, die eigene Persönlichkeit zu finden und zu entwickeln. Es kann sein, dass Tage der Harmonie vorübergehend Seltenheitsfaktor haben, dennoch braucht Ihr Kind Sie, Ihre Präsenz und Ihr Interesse. Signalisieren Sie, dass Sie jederzeit offen sind für Fragen.

• Über Alkohol informieren
Abschreckung hat sich als Konzept der Vorbeugung nicht bewährt. Auch Kinder sollten jedoch wissen, wie Alkohol wirkt, und altersgemäß informiert sein. Schon kleine Kinder können verstehen, dass zu viel Alkohol gefährlich ist und krank macht. Älteren Kindern sollte bekannt sein,

  • welche Risiken mit häufigem und exzessiven Alkoholtrinken verbunden sind
  • wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol aussieht
  • und warum sie bestenfalls ab 16 Jahren Alkohol trinken sollten und wenn, dann höchstens gelegentlich und sehr mäßig.
Das Info-Telefon zur Suchtvorbeugung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt Ihnen gerne Auskunft: 02 21/89 20 31, Mo.- Do. 10-22 Uhr, Fr. – So. 10-18 UhrQuelle: DRK-Kinderklinik Siegen

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