Forum Kinderschutz: Vernachlässigung erkennen und handeln

Trauriges Mädchen

Vernachlässigung ist die häufigste Ursache für Kindeswohlgefährdung

„Die Vernachlässigung der Bedürfnisse von Kindern beeinträchtigt ihre körperliche und seelische Entwicklung und kann zu bleibenden Schäden führen.“ Dies erklärt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld des achten Forums Kinderschutz der ÄKWL, das sich am 7. März in Gelsenkirchen mit dem Thema Kindesvernachlässigung beschäftigt. Oft gehe einer Kindesmisshandlung eine Vernachlässigung voraus. Es gelte, diese rechtzeitig zu erkennen, um präventiv eingreifen zu können. In vielen Fällen sei die Grenze zur Gefährdung des Kindeswohls fließend. Infolge von Vernachlässigung könnten Entwicklungsverzögerungen, Schulschwierigkeiten und psychische Störungen auftreten. In vielen Fällen hätten betroffene Kinder später auch Integrationsprobleme am Arbeitsmarkt.

„Vernachlässigung gilt als häufigste Ursache für Kindeswohlgefährdung“, so der ÄKWL-Präsident. Da es in Deutschland keine Erhebungen zu Vernachlässigung, also dem andauernden oder wiederholten Unterlassen eines fürsorglichen Handelns durch die Eltern, gebe, könne man nicht verlässlich sagen, wie viele Kinder in Deutschland betroffen sind. International liegt nach Erkenntnissen des Deutschen Jugendinstituts die Häufigkeit aktenkundig gewordener Fälle von Kindesvernachlässigung zwischen 1,2 und 7,6 Fällen pro 1.000 Kinder in verschiedenen westlichen Industriestaaten. Auf Deutschland übertragen, würde dies zwischen 17.500 und 110.000 vernachlässigten Kindern entsprechen – die Dunkelziffer nicht eingerechnet.

Windhorst: „Ärztinnen und Ärzte, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sind die wesentlichen Berufsgruppen, die als erste Hinweise auf eine Vernachlässigung bei Kindern erhalten können. Sie haben dadurch die Möglichkeit, insbesondere Kleinkinder schon frühzeitig vor Vernachlässigung, Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch zu schützen.“ Präventive Hilfen sollten so frühzeitig wie möglich einsetzen und sich besonders an die Familien wenden, die ein erhöhtes Vernachlässigungsrisiko aufwiesen. Angesprochen werden sollten Eltern mit kleinen Kindern, insbesondere mit Säuglingen und Kleinkindern, aber auch werdende Mütter und Väter in belastenden Lebenslagen. Die aus solchen Lebenslagen resultierende Gefahr einer späteren Vernachlässigung und anderer Formen der Kindeswohlgefährdung sollte durch das Angebot von Unterstützung und Hilfe möglichst schon im Vorfeld abgewendet werden, so der Kammerpräsident. Alle wichtigen Akteure im Kinderschutz sollten langfristig vor Ort in einem Kooperationsnetzwerk zusammengeführt werden.

Das Forum Kinderschutz der ÄKWL will auch in diesem Jahr wieder professionenübergreifend das Kindeswohl in den Blick nehmen und durch möglichst frühe Intervention dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in unserem Land gesund aufwachsen können. Vertreter aus dem ärztlichen Bereich, der Schule, der Jugendhilfe und dem Kinderschutz werden in Gelsenkirchen erörtern, woran man Vernachlässigung erkennt und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt.

Termin:
8. Forum Kinderschutz: Kindesvernachlässigung – Risiken erkennen und handeln
7. März 2015, 10.00 bis 14.00 Uhr
Bürgerforum im Hans-Sachs-Haus, Ebertstraße 11, 45879 Gelsenkirchen
Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Ein Informationsfyler steht auf der Seite der Ärztekammer Westfalen-Lippe zum Download (klick) bereit.

Quelle: Ärztekammer Westfalen-Lippe
Foto: © pegbes – Fotolia.com

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