Depressionen als Auslöser für Todesflug?

Das tödliche Flugzeugdrama beschäftigt die Nation. Bei dem Absturz eines Germanwings-Airbus A320 in Frankreich sind alle 150 Insassen gestorben. Die Ermittler kommen nach Auswertung des Stimmenrekorders aus dem Cockpit der Unglücksmaschine zu dem Schluss: Co-Pilot Andreas L. führte den Absturz bewusst herbei. Die dann vorgenommene Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung lieferte Hinweise auf eine psychische Erkrankung des 27-Jährigen. Sollten also Depressionen Auslöser für den Selbstmord und die Tötung von 149 weiteren unschuldigen Menschen sein? Das Gesundheitsportal doqtor möchte aus diesem aktuellen Anlass den Schwerpunkt auf diese Volkskrankheit setzen.

Was sind Depressionen?

Die Depression gehört zu den „affektiven Störungen“. Hierunter versteht man psychische Erkrankungen, die mit einer schwerwiegenden Veränderung der Stimmungslage verknüpft sind. Patienten empfinden regelmäßig eine tiefe, lang andauernde Niedergeschlagenheit. Dabei ist es ihnen nicht mehr möglich, Freude zu empfinden. Desinteresse und Antriebslosigkeit bei alltäglichen Dingen sind weitere Merkmale für eine mögliche Depression. Weiter können auch Symptome auftreten wie Angst, Konzentrationsschwäche oder Gedächtnisstörung. Auch Appetitlosigkeit und Schlafstörungen können mitunter Merkmale für eine Depression sein. In besonders gravierenden Fällen kann es auch zu Wahnvorstellungen kommen.

Wie unterscheiden sich Depressionen von normalen Stimmungsschwankungen?

Für die Diagnose einer Depression müssen mindestens zwei der Kernsymptome – Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessenverlust – sowie zwei weitere Symptome vorliegen – und dies mindestens zwei Wochen. Mediziner zählen Depressionen auch im Siegerland mittlerweile zu den Volkskrankheiten. Etwa 5.000 Siegener leiden an Depressionen. Jeder fünfte an Lahn, Eder und Sieg erkrankt in seinem Leben einmal an einer Depression. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen ist die Krankheit chronisch.

Was sind die Ursachen der Krankheit?

Die Ursachen der Krankheit sind vielschichtig und nicht immer klar zu identifizieren. Belastende Ereignisse wie der Tod eines Angehörigen oder das Ende einer Partnerschaft können Depressionen genauso auslösen wie Stress oder Überforderung im Beruf. Auch die Übermittlung der Diagnose “Krebs” kann diese hervorrufen, heißt es aus dem St. Marien-Krankenhaus Siegen. Psycho-onkologische Betreuung und Seelsorge sollen dann helfen.

Insgesamt gilt: Menschen mit negativer Grundeinstellung sind eher gefährdet; auch mangelndes Selbstwertgefühl kann das Aufkommen von Depressionen begünstigen. Weiter können Depressionen auch als Symptom einer anderen Erkrankung auftreten, neben Krebs ist das z.B. bei Alzheimer. Hier sprechen von doqtor interviewte Mediziner von sekundären Depressionen.

Sind alle an einer Depression Leidenden Suizid-gefährdet?

Der Co-Pilot hat vermutlich Selbstmord begangen und vielleicht litt er unter Depressionen. Und die Suizidgefahr ist tatsächlich hoch: Bis zu 70 Prozent aller Selbstmorde stehen im Zusammenhang mit Depressionen. Mediziner schätzen, dass beinahe jeder Patient mit einer schweren Depression irgendwann auch einmal an Selbstmord denkt.

Je eher eine Depression behandelt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Normalerweise wird bei einer Behandlung Medikamente (Antidepressiva) und einer Psychotherapie kombiniert eingesetzt. Oft angewandt wird die „kognitive Verhaltenstherapie“, bei der der Betroffene angeleitet wird, negativ belasteten Gedanken und Einstellungen entgegenzuwirken, seinen Alltag anders aufzubauen und sich positive Erfahrungen zu verschaffen.

Bei einer minderschweren depressiven Phase setzen Mediziner oft auch auf die sogenannte Psychoedukation, um dem Patienten und seinen Angehörigen Wege zur Selbsthilfe aufzuzeigen. In besonderen Fällen nutzen Ärzte auch Verfahren wie Licht- oder Wachtherapie.

Wie kann man Depressionen vorbeugen?

Freilich kann sich keiner gegen die Trauer über den plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen rüsten. Bestimmte Elemente wie ein stabiles familiäres Umfeld, weniger Stress im Job, Sport oder andere positiv besetzte Aktivitäten können aber das Risiko reduzieren, dass Schicksalsschläge in eine Depression münden.

Für Patienten, die sich aufgrund von Depressionen in Behandlung begeben, gilt: Die Therapie sollte so lange fortgesetzt werden, bis eine nachhaltige Stabilisierung vorliegt. Um Rückfälle zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Anwendung der erlernten Bewältigungs-Strategien und Verhaltensweisen zu dokumentieren, z.B. in Form eines Tagebuchs. Treten erneut Alarmsignale einer beginnenden Depression auf, sollte unbedingt wieder ärztlicher Rat gesucht werden.

Wo kann man Hilfe erhalten?

Wichtigster Ansprechpartner für Menschen mit Depressionen ist natürlich der Hausarzt beziehungsweise ein Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie oder Nervenheilkunde. Daneben gibt es zahlreiche Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und anderen Einrichtungen, an die sich von Depressionen Betroffene oder ihre Angehörigen wenden können.

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