Schlaf im Alter

depressionen im alter

Hin und wieder nicht gut schlafen – kein Problem. Ständig nicht gut schlafen – ein großes Problem. Auch und gerade für Senioren. Zwar verändert sich der Schlaf im Alter, aber durchwachte Nächte müssen nicht sein. Denn bei älteren Menschen spielen dabei oft Erkrankungen eine Rolle, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Schlaf zu tun haben. Das können beispielsweise Probleme mit dem Stoffwechsel und dem Kreislauf sein. Oder Gelenkverschleiß. Denn wer Schmerzen hat, schläft eben schlechter.

Für Senioren ist das ein besonderes Problem, weil der Tiefschlafmit zunehmendem Lebensalter abnimmt. „Der Schlaf ist abhängig vom Alter sehr unterschiedlich“, sagt Dr. Rainer Grübener. Der Internist leitet die Innere Medizin im Diakonie Klinikum Bethesda in Freudenberg und ist zugleich Schlafmediziner. „Der Schlaf eines Neugeborenen ist ganz anders als der von Kindern oder Jugendlichen und deren Schlaf wiederum anders als der von Erwachsenen oder Senioren.“ Während also im Alter die Tiefschlafphasen weniger werden, nimmt der Leichtschlaf anteilsmäßig zu. Nur der Traumschlaf (REM-Schlaf) bleibt in etwa gleich. Allerdings haben ältere Menschen in der Nacht viel mehr Weckreaktionen – sogenannte Arousals. Bei Senioren sind bis zu 150 pro Nacht normal, bei jungen Menschen hingegen nur fünf. An diese Weckreaktionen erinnert man sich zwar am nächsten Morgen nicht mehr, aber sie können das Gefühl hinterlassen, unruhig geschlafen zu haben.

Schlafmittel als herausragendes Problem

Insbesondere bei älteren Männern kommt ein weiteres Problem hinzu: Sie wachen häufig auf, weil sie dringend auf Toilette müssen. Meistens leiden die Betroffenen an einer gutartigen Prostatavergrößerung. Aber auch viele andere gesundheitliche Probleme können sich auswirken. Unter anderem Herz-Kreislauf-, Lungen- und Bronchial-, Stoffwechel- oder orthopädische Erkrankungen. „Luftnot bei Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen kann den Schlaf unterbrechen“, erklärt der Experte. „Manchmal verursachen aber auch Medikamente einen unruhigen Schlaf.“ Denn manche Mittel sind harntreibend, andere – beispielsweise Beta-Blocker – beeinflussen die Schlafstadien. Sogar Schlafmittel haben sich zu einem herausragenden Problem entwickelt. „Wer Schlafmittel über längere Zeit einnimmt, gewöhnt sich daran. Dann können sie anstatt schlaffördernd mit der Zeit schlafmindernd oder sogar schlafverhindernd wirken.“ Trotzdem zählen Schlafmittel in Deutschland nach wie vor zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten, obwohl es zu ihrem therapeutischen Einsatz klare Leitlinien gibt. Natürlich kann auch eine klassische Schlaferkrankung die nächtliche Ruhe beeinträchtigen. Denn auch die sogenannten schlafbezogenen Atemregulationsstörungen nehmen mit dem Alter an Zahl und Schwere zu. Hierbei setzt in der Nacht mehrmals für teilweise gefährlich lange Zeit die Atmung aus. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut gefährlich ab. Häufig berichten die Partner der Betroffenen, dass sie in der Nacht durch außergewöhnlich lautes Schnarchen geweckt werden.

„All diese möglichen Ursachen für unruhige Nächte zeigen, dass in der Betreuung von älteren Menschen ein fundiertes Fachwissen erforderlich ist“, erklärt der Facharzt. Dabei ist die Schlafmedizin eine vergleichsweise junge Disziplin. Erst in den 1980er Jahren hat sie Einzug in den klinischen Alltag gehalten. Heutebeschäftigen sich Mediziner aus den unerschiedlichsten Bereichen mit dem Schlaf: Internisten, Lungenärzte, Psychiater, Neurologen, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Mund-,Kiefer-, Gesichtschirurgen und Kinderärzte forschen gemeinsam. Dadurch ist es heute möglich, alle 88 schlafmedizinischen Erkrankungen zu diagnostizieren und weitestgehend zu behandeln.

Doch vor dem Weg ins Schlaflabor erfolgt zunächst eine ambulante Schlafuntersuchung. Anhand dieser Messergebnisse entscheiden die Ärzte dann, ob eine große Schlafuntersuchung (Polysomnographie) im Schlaflabor nötig ist. Hier werden zahlreiche körpereigene Signale registriert. Moderne Geräte zeichnen Hirnströme, Augen- und Kinnmuskelbewegungen, Brust- und Bauchbewegungen, den Atemfluss an Nase und Mund, Schnarchgeräusche, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Bewegungen der vorderen Schienbeinmuskeln auf. Nach ein oder zwei Nächten steht dann die Diagnose fest und dieSchlafmediziner können eine Therapie planen.

Wichtig ist: Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte sich nicht damit abfinden und keinesfalls über längere Zeit zu Schlafmitteln greifen. Denn oft steckt weitaus mehr hinter den Problemen als nur das Alter.

Autorin: Saskia Kipping
Symbolbild: © drubig-photo – Fotolia.com

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