Hospiz Siegerland besteht seit 20 Jahren

Im Evangelischen Hospiz Siegerland finden Menschen einen Ort, an dem ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Am 28. April feiert die Einrichtung ihren 20. Geburtstag.
Im Evangelischen Hospiz Siegerland finden Menschen einen Ort, an dem ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Am 28. April feiert die Einrichtung ihren 20. Geburtstag.

Jubiläumsfeier am 28. April in der Erlöserkirche Winchenbach

Siegen. Auf 20 Jahre blickt das Evangelische Hospiz Siegerland. Eine Zeit, in der sich in dem Gebäude am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling, in der Wichernstraße, vieles gewandelt hat, aber eines immer gleich geblieben ist: Menschliche Zuwendung und Wärme sind die wichtigsten Pfeiler der Arbeit. Zum 20. Jubiläum findet am Dienstag, 28. April, 19 Uhr, in der Erlöserkirche in der Winchenbach, Lessingstr. 33 in Siegen eine Feierstunde statt, zu der Besucher willkommen sind. Nach einem Grußwort von Siegens Bürgermeister Steffen Mues, soll der Festakt Anlass sein, dankbar auf das Erreichte zu schauen, aber auch über das nachzudenken, was aktuell und in Zukunft herausfordernd sein wird.

Das Ev. Hospiz Siegerland wurde am 9. April 1995 eröffnet und war eine der ersten 25 stationären Einrichtungen in Deutschland. Gegründet aus dem diakonischen Gedanken, den Menschen von seiner Geburt bis zu seinem Tod zu begleiten, brachte der ehemalige Diakonie-Geschäftsführer Otto Mack die Einrichtung auf den Weg. Menschen, die unheilbar erkrankt sind, sollten einen Ort erhalten, an dem sie in Würde und selbstbestimmt bis zum letzten Tag leben können. Mit der Eröffnung setzte der Evangelische Krankenhausverein Siegerland als Träger einen Grundstein für einen menschlicheren und offeneren Umgang mit dem Leben und dem Tod. Im ehemaligen Schwesternwohnheim wurde eine Etage umgebaut und mit acht Gästezimmern ausgestattet. Otto Mack bat Schwester Margarete Sommer, die Leitung zu übernehmen. Die Diakonisse widmete sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe mit viel Engagement. Sie stellte das hauptamtliche Personal zusammen, betreute den Umbau und sammelte Spenden. Unterstützt wurde sie von Pfarrer Wulf Dietrich, der im Hospiz seelsorgerisch tätig war. Mit einem starken und engagierten Team leitete die Diakonisse die Einrichtung fast drei Jahre.

Schwester Margarete war stets um eine breite Öffentlichkeitsarbeit bemüht, um Sinn und Zweck der Hospizarbeit zu erklären, Berührungsängste abzubauen und den Hospizgedanken in der Gesellschaft zu verankern. Denn aus der Bevölkerung ertönten zu Beginn auch kritische Stimmen. „Das Hospiz hatte den Ruf ein ‚Sterbehaus’ zu sein. Daher war die Nachfrage zunächst zurückhaltend“, schildert Hospizleiter Burkhard Kölsch, der selbst seit der ersten Stunde mit dabei war. Die Beharrlichkeit und das Engagement der Hospizmitarbeiter sowie persönliche Erfahrungen von Bürgern ließen die anfängliche Skepsis schließlich nach und nach verschwinden. Schwester Margarete wurde 2012 für ihr Wirken mit dem Kronenkreuz der Diakonie in Gold ausgezeichnet.

Bis heute verbrachten im Hospiz mehr als 2500 Menschen ihre letzten Tage. Im vergangenen Jahr verabschiedeten sich dort 90 Menschen von ihren Familien und Freunden. Der älteste Gast war über 90, der jüngste gerade einmal 25 Jahre alt.

2012 wurde der Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft des Altbaus eröffnet. In den hellen, freundlichen und modernen Räumlichkeiten können acht Gäste beherbergt werden. Jedes Zimmer hat einen eigenen Terrassenzugang, der mit dem Bett befahrbar ist. Auf einer Gesamtfläche von 800 Quadratmetern bietet das Hospiz seinen Gästen die Möglichkeit sich zurückzuziehen, aber auch genügend Raum, Familie und Freunden zu begegnen.

Für Hospizleiter Burkhard Kölsch, die 12 haupt- und 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter, stehen der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung haben menschliche Zuwendung und Wärme obersten Stellenwert. „Hier gibt es keine festen Abläufe und Regeln, wir stellen uns auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche unserer Bewohner ein“, betont Burkhard Kölsch.

Sterben ist nicht schön zu reden. Wer unheilbar krank ist und mit dem eigenen Tod konfrontiert wird, befindet sich in einer Extremsituation, verliert den Boden unter den Füßen. Auch für die Hinterbliebenen ist der Verlust eines geliebten Menschen schwer zu tragen. „Ein Hospiz ist nicht der Retter in der Not, wir können aber bis zum letzten Augenblick Geborgenheit und Zuwendung schenken“, bekräftigt Kölsch. Verändert haben sich in den vergangenen 20 Jahren aber nicht nur die Räume. Zum Zeitpunkt der Eröffnung bestand noch keine Rahmenvereinbarung mit den Krankenkassen. Heute übernehmen diese 90 Prozent der Kosten. 10 Prozent muss das Hospiz laut Finanzierungsgesetz durch Spenden aufbringen – das sind jährlich rund 100.000 Euro. „Wir sind unheimlich dankbar, dass die Bevölkerung uns so tatkräftig unterstützt. Ohne ihre Hilfe wäre diese Arbeit nicht möglich“, so Kölsch. Auch der Förderverein des Evangelischen Hospiz Siegerland setzt sich seit 20 Jahren aktiv für die Einrichtung ein.

Obwohl die Menschen zum Sterben hierher kommen, sollen sie bis zum letzten Tag leben. In einem Hospiz hat neben der Trauer auch Freude ihren Raum. Das Besondere an der Arbeit im Hospiz ist für Burkhard Kölsch und seine Mitarbeiter die Nähe zu den Menschen. „Unsere Gäste sind sehr dankbar. Früher wie heute ist es unsere Aufgabe, Schmerzen und andere körperliche Symptome zu lindern, aber es geht vor allem um menschliche Zuwendung.“ Kölsch bedauert, dass im heutigen Gesundheitssystem immer weniger Zeit für diese Form der Sterbebegleitung bleibt. „Ich wünsche mir, dass sich der Fokus wieder mehr auf den Menschen richtet und nicht in Richtlinien und Konzepten verliert. Es muss genügend Zeit bleiben, sich zu ihnen zu setzen, zuzuhören und ihre Hand zu halten, denn die Menschen brauchen unsere Nähe.“

Wer an dem Festakt in der Erlöserkirche teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen und kann sich bis Mittwoch, 22. April, telefonisch anmelden unter 0271/333-66 81 oder per Mail. Wer das Hospiz mit einer Spende unterstützen möchte, kann sich hier informieren.

Quelle: Diakonie Südwestfalen

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