2. Siegerländer Reflux-Tag

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Keine Frage: Sodbrennen ist eine Volkskrankheit. Das zeigte auch die Veranstaltung des Reflux-Zentrums Siegerland. Denn viele Besucher waren gestern ins Kleine Theater des Siegener Kulturhaus Lyz gekommen, um sich über Symptome, Diagnostik und Therapie des Leidens zu informieren. Die meisten von ihnen kannten das Sodbrennen aus eigener leidvoller Erfahrung: Brennende, stechende Schmerzen vom Hals bis zum Magen, Schluckstörungen, chronischer Husten, Räuspern, Schleimbildung im Rachenraum oder Aufstoßen – dies seien nur einige der Beschwerden, die auf eine Reflux-Erkrankung hindeuteten, stellte Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Medizinischer Direktor des Diakonie-Klinikums Siegen, direkt in seinem Eingangsstatement fest. Er hatte mit seinem Chefarzt-Kollegen Prof. Dr. med. Willeke aus dem St. Marien-Krankenhaus Siegen das Reflux-Zentrum Siegerland vor einem Jahr aus der Taufe gehoben

Die gut informierten Gäste hatten an diesem Abend auch jede Menge Fragen an die Referenten: Kann man gleichzeitig unter ganz unterschiedlichen Symptomen leiden? Dr. med. Gisela Labenz, niedergelassene Ärztin im Medizinischen Zentrum am Siegerlandflughafen bejahte dies. Deshalb sei eine genaue Diagnostik so wichtig, denn einige Beschwerden würden zunächst einmal nicht mit einer Reflux-Erkrankung in Verbindung gebracht. Sie treten sogar während der Schlafperioden auf und werden als Herzleiden fehlgedeutet. Die Ärztin und Ernährungsexpertin, die das Reflux-Zentrum vor genau einem Jahr mitgründete, verwies dann auch auf die über 150 Patientenberichte, die bereits in der kurzen Geschichte des Zentrums gesammelt werden konnten. Letzteres sei eine einmalige „Erfolgsstory“ insbesondere für die betroffenen Patienten. In Deutschland und anderen europäischen Ländern stehen Nachahmer bereits in den Startlöchern.

„Ist eine Magenspiegelung zur Diagnostik der Erkrankung nicht sehr unangenehm?“, wollte ein Besucher wissen. Da konnte Frau Dr. Borkenstein, Oberärztin und Spezialistin für Funktionsdiagnostik aus dem Jung-Stilling-Krankenhaus, beruhigen. „Von der Untersuchung merken Patienten nichts, denn sie schlafen in dieser Zeit.“ Auch bei der medikamentösen Therapie fassten die Teilnehmer im vollbesetzten Kleinen Theater des Kulturhauses Lyz nach: Kann man über einen längeren Zeitraum bedenkenlos Medikamente einnehmen, um die Produktion der Magensäure zu hemmen? Hier war wieder die Erfahrung von Prof. Labenz gefragt: „Die Säureblocker sind sehr wirksam und haben auch nur sehr selten Nebenwirkungen“, sagte er. Besonders bei einer Dauermedikation sei wie bei jeder chronischen Behandlung mit Medikamenten eine Konsultation des Arztes geboten. Mit einem Vorurteil räumte Prof. Labenz auf: „Säureblocker sind keine gesicherte Ursache für Osteoporose!“

„Wann sollte man über eine Operation nachdenken?“, wollte eine Besucherin wissen. „Es gibt drei Indikationen für den minimal-invasiven Eingriff“, erläuterte Chirurg Prof. Dr. med. Frank Willeke: „Wenn die konservative Therapie nicht greift, wenn die Medikamente nicht vertragen werden und wenn man nicht sein Leben lang auf Tabletten angewiesen sein möchte.“ Letzteres sei für viele, die sich von Dr. med. Dietmar Stephan, Spezialist für die minimal-invasive Implantation sog. Magenschrittmacher im Reflux-Zentrum, der entscheidende Grund, sich operativ helfen zu lassen. Sie bekommen zwar mit Hilfe von Säureblockern die Beschwerden in den Griff, doch die Medikamente wollten sie nicht dauerhaft einnehmen. Der Spezialist gehört zu den Pionieren des neuen Verfahrens und konnte im Sommer den weltweit ersten Schrittmacher einer neuen Generation erfolgreich einsetzen. Siegen ist für diese innovative Technologie innerhalb von 1 Jahr zu einem führenden Zentrum in Europa geworden. Wichtig ist, so betonten alle Experten, dass vor einer Operation durch spezialisierte Diagnostik das geeignete Operationsverfahren festgelegt wird.

Es ist geplant, den Reflux-Tag als festen Punkt im Veranstaltungskalender zu etablieren. Die nächste Veranstaltung wird in etwa sechs Monaten stattfinden.

Foto: Kai Osthoff

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