Herzwoche: Zahlreiche Anrufer bei Telefonaktion

Zahlreiche Fragen rund ums Herz: Dr. Johannes Rixe, PD Dr. Damir Erkapic, Prof. Dr. Dursun Gündüz und Dr. Werner Meyners (von links) nahmen sich bei der Telefonaktion in der zehnten Herzwoche des Diakonie Klinikums Jung-Stilling zwei Stunden lang Zeit für ihre Anrufer.

Kardiologen des Diakonie Klinikums Jung-Stilling standen nonstop Rede und Antwort

Siegen. Die zehnte Herzwoche des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen war ein voller Erfolg. Tausende nahmen die vier Kardiologen-Vorträge zu Diagnostik, Therapie und Risiken von Herzschwäche auf den verschiedenen Digital- und Social-Media-Kanälen der Diakonie in Südwestfalen online wahr. Etwa 150 wollten bei einer zweistündigen Telefonaktion mit einem der Ärzte sprechen, rund 60 kamen am Ende durch und holten sich wertvolle Tipps.

Ein krankes Herz kann sich auf ganz unterschiedliche Arten bemerkbar machen. Deshalb nutzten die Anrufer die Gelegenheit, um nicht nur Fragen zum Leitthema Herzschwäche zu stellen, sondern auch, um sich über weitere Krankheitsbilder zu informieren. „Ich habe Brustschmerzen, schon mehrere Krankenhaus-Aufenthalte hinter mir und bin in den vergangenen Monaten schon sechs Mal bewusstlos geworden“, schilderte eine Dame, die mit Professor Dr. Dursun Gündüz sprach. Der Leiter der Sektion Kardiologie legte ihr nahe, sich so schnell wie möglich bei einem Kardiologen vorzustellen, um abzuklären, ob beispielsweise eine Herzrhythmusstörung vorliegt. „Bestätigt der Arzt die Krankheit, muss dringend eine Therapie eingeleitet werden. Jede Bewusstlosigkeit kann in Ihrem Fall nämlich lebensbedrohlich sein“, so Gündüz. Je nach Art des gestörten Herzrhythmus, können möglicherweise zunächst Medikamente, sogenannte Antiarrhythmika, helfen.

Ein anderer Anrufer erkundigte sich über operative Therapiemöglichkeiten bei Vorhofflimmern. Dr. Johannes Rixe, Leiter der kardialen Bildgebung, teilte dem Herren mit, dass Vorhofflimmern die häufigste Form einer Herzrhythmusstörung ist. Bleibt die Krankheit unbehandelt, haben Betroffene ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko. „Helfen Medikamente nicht, sollte eine sogenannte Katheterablation in Betracht gezogen werden. Krankhafte Leitungsbahnen oder Zellareale im Herzmuskelgewebe, die ein Vorhofflimmern auslösen, werden bei dieser Therapieform verödet.“ Dafür führen Ärzte einen Spezialkatheter von der Leiste aus ins Herz vor, wofür bereits kleinste Schnitte ausreichend sind. Rixe: „Damit wir wissen, ob diese Art der Therapie möglich ist, muss ein Patient jedoch zuvor fachärztlich untersucht werden.“

Eine unzureichend behandelte Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) und ein gestörter Herzrhythmus – so die Problematik eines Herren, der mit Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Leiter der Sektion Rhythmologie, ins Gespräch kam. Sich weniger abgeschlagen fühlen – so der Wunsch des Anrufers. Erkapic: „Regelmäßige nächtliche Atemaussetzer belasten das Herz, da ein Sauerstoffmangel vorliegt. Das Herz wird somit zu stark beansprucht und muss mehr leisten. Ein chronischer Schaden am Herzen, wie in Ihrem Fall eine Rhythmusstörung, kann daher die Folge einer nicht therapierten Schlafapnoe sein.“ Der Experte teilte dem Herren mit, dass eine Apnoe heutzutage gut behandelbar ist und die genaue Diagnose in einem Schlaflabor erfolgt. Wichtig ist es auch, die Rhythmusstörung zu untersuchen, um diese gegebenenfalls ebenso zu behandeln. „Wenn medikamentös nichts zu erreichen ist, gibt es unterschiedliche minimalinvasive, also meist schonende, operative Möglichkeiten. Melden Sie sich bei einem Kardiologen, um Ihre individuelle Situation genau abzuklären und um dann richtig zu handeln“, so Erkapic.

Was möglich ist, um den Blutdruck ohne Medikamente zu senken, fragte ein Anrufer beim Telefonat mit Dr. Werner Meyners, Leiter der konservativen Intensivstation. „Körperliche Aktivitäten, auch wenn Sie nur spazieren gehen oder Fahrrad fahren, können helfen. Zudem ist es wichtig, auf die Ernährung zu achten.“ Meyners riet zudem dazu, Obst-Reis-Tage auszuprobieren – heißt, bis zu dreimal in der Woche jeweils nur Reisgerichte mit Obst oder Gemüse zu essen und dabei auf Kochsalz zu verzichten. Dann sollte beobachtet werden, ob sich der Blutdruck senkt. Auch bei einer Herzschwäche würde sich diese Maßnahme laut Meyners sehr gut eignen. Um Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen, sagte Meyners ganz allgemein, dass die Mittelmeerküche auf dem Speiseplan stehen sollte. Demnach eignen sich Gemüse, Obst, Ballaststoffe, pflanzliche Öle und insbesondere Fisch – vor allem Seefisch. Wenig Fleisch und Fett von Vierbeinern und dafür eher Geflügel sind ebenso von Vorteil. Übergewicht ist abzubauen, aufs Rauchen sollte vollständig verzichtet werden.

Professor Dr. Dursun Gündüz blickt auf eine gelungene Herzwoche zurück: „Corona-bedingt war uns die gewohnte Präsenzveranstaltung in diesem Jahr nicht möglich. Dennoch konnten wir mit digitalen Mitteln viele Menschen erreichen, sie informieren und ihnen telefonisch genau das beantworten, was sie wissen wollten.“

Die Aktionswoche fand in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung im Zuge des bundesweiten Herzmonats November statt. Die Initiative wurde von der Herzstiftung ins Leben gerufen, um jedes Jahr über Herzkrankheiten aufzuklären.

Quelle/Foto: Diakonie

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