Ist Gesundheit erlernbar?

Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung ist für jeden einzelnen ein wichtiges Ziel – auch für Unternehmen.
Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung ist für jeden einzelnen ein wichtiges Ziel – auch für Unternehmen.

Die Diakonie Sozialdienste starten ein Konzept zur Vermittlung gesundheitsfördernden Verhaltens im Betrieb

Lange Zeit waren für die Gesundheit am Arbeitsplatz die Maßnahmen des klassischen Arbeitsschutzes verantwortlich – der Gebrauch von Schutzausrüstung, regelmäßige sicherheitstechnische Prüfungen von Geräten und Maschinen, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung – niemand würde leugnen, dass die Beachtung der entsprechenden Maßnahmen der Reduzierung gesundheitsgefährdender Faktoren an der Arbeitsstelle dient.

Die zunehmende Forderung von Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements gehen nun über diese Maßnahmen hinaus – vermehrt wird die persönliche Gesundheitsförderung der Beschäftigten in den Blick genommen – weil Menschen mit ihren Kompetenzen und Erfahrungen eines der wichtigsten Güter eines Unternehmens sind. Und deren Gesundheit hat hohen Einfluss auf Erfolg und Attraktivität eines Arbeitgebers.

Nach den ersten Ergebnissen im Bemühen um eine Standardisierung betrieblicher Gesundheitsförderung entstehen nun auch Qualifizierungsmöglichkeiten für betriebliche Gesundheitsmanager – damit also Beauftragte, die verantwortlich zeichnen sollen für die Aufnahme und Weiterentwicklung gesundheitsfördernder Aktivitäten in den Betrieben.

„In der Arbeitswelt entsteht ein immer größerer Zeit- und Leistungsdruck“ sagt Daniel Imhäuser, Geschäftsführer der Diakonie Sozialdienste in Siegen. „Gerade im Zusammenspiel mit privaten Belastungen kann sich das auf die Lebensqualität auswirken.“ In den Beratungsstellen der Diakonie Sozialdienste fragen immer wieder Menschen nach Unterstützung, die gerade an diesen Belastungen gescheitert sind – und aufgrund fehlender Unterstützung im Vorfeld in Abhängigkeits- oder Schuldenprobleme oder Familienkrisen gerutscht sind.

Aus diesem Grunde haben sich die Diakonie Sozialdienste dem Thema angenommen – und unter dem Projekttitel „Integriertes Gesundheits- und Sozialmanagement (IGUS)“ verschiedene Bausteine entwickelt, um die betriebliche Gesundheit in die Praxis zu transportieren.

Ein wichtiger Baustein des Konzeptes ist die Kompetenzvermittlung zum Thema Gesundheit. Sebastian Schreiber ist als Beauftragter für Qualitäts- und Gesundheitsmanagement verantwortlich für das Projekt. „Kompetenzerwerb spielt eine zentrale Rolle im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung“ sagt Schreiber. „Gesundheitsbewusstes Verhalten im Betrieb spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab: Zum einen ist hier jeder natürlich für sich selber verantwortlich. Andererseits kommt es im Arbeitszusammenhang darauf an, füreinander da zu sein – d.h., mögliche Anzeichen bei anderen zu erkennen, die auf Belastungen und Probleme hindeuten. Und dann zu wissen, wie man reagieren und helfen kann. Das ist auch eine hohe Anforderung an Führungskräfte.“ Aus diesem Grunde ist ein Konzept entstanden, um möglichst vielen Beschäftigten die Möglichkeit zu geben, die hierfür notwendigen Kompetenzen zu erwerben.

Selbst wenn es einen ausgebildeten Gesundheitsmanager im Unternehmen gibt, erhöht das nicht automatisch die Fähigkeiten der Selbstsorge.  „Wir bieten betriebsinterne Fortbildungen zu ‚Gesundheits-Scouts‘ an. Im Rahmen der modularen Fortbildung werden Kompetenzen z.B. zu Themen wie Zeitmanagement, Erkennung von Warnzeichen bei sich selbst und anderen, Arbeitsorganisation und gesundheitsbewusstes Führen vermittelt. Das Angebot ist so konzipiert, dass durch eine anfängliche Bedarfsanalyse der Inhalt der Einheiten gestaltet werden kann“ erläutert Schreiber. „Nach unserer Vorstellung sollen die Mitarbeiter in der Fortbildung in die Lage versetzt werden, das Erlernte weiterzuvermitteln – um so einen Schneeballeffekt zu erreichen.“ Auch Elemente der Gesundheitsberatung, der Sportmedizin oder der betrieblichen Suchtkrankenhilfe können in die Module aufgenommen werden.

Je nach Umfang der in Anspruch genommenen Fortbildungseinheiten kann die Fortbildung als Grundlage dienen für eine Weiterqualifizierung zum offiziellen Gesundheitsbeauftragten mit Personalzertifikat.

Quelle: Diakonie Sozialdienste
Foto: © motorradcbr – Fotolia.com

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