Impfungen: wichtig, wirkungsvoll und wirtschaftlich

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Vor dem Hintergrund des aktuellen Masern-Ausbruchs erneuert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, seine Kritik an den bestehenden Impflücken und der Impfmüdigkeit beim Schutz vor dieser hochansteckenden und schweren Krankheit: „Impfungen sind aktiver Lebensschutz und Kinderschutz. Denn Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können etwa zu einer Hirnhautentzündung führen. Masern sind eine gefährliche, schlimmstenfalls sogar tödliche Infektion.“ Aus Sicht der Ärzteschaft sei es dringend notwendig, das Verantwortungsbewusstsein und damit die Impfmotivation in der Bevölkerung zu verbessern. „Ich appelliere an die Eigenverantwortung der Eltern, ihre Kinder durch eine einfache Impfung zu schützen. Wir müssen die bestehenden Impflücken auch bei jungen Erwachsenen schließen, um eine Verbreitung der Masern-Viren nachhaltig zu verhindern und die Krankheit endgültig einzudämmen. Muss es denn erst wieder Tote geben, um ein Umdenken zu erreichen?“ Ziel müsse eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent sein. In der Stärkung des Impfbewusstseins sieht der Kammerpräsident auch eine wichtige Funktion der Ärzteschaft. „Die ärztliche Selbstverwaltung ist hier das Gewissen der Nation und muss wachrütteln.“

Nach Informationen des Robert Koch-Institutes ereignet sich in Berlin derzeit ein großer Masernausbruch. Seit Oktober 2014 seien schon mehr als 370 Masernerkrankungen übermittelt, berichtet das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Der Ausbruch hält immer noch an. Anfangs waren vornehmlich Asylsuchende betroffen, von denen die meisten aus Bosnien und Herzegowina oder Serbien stammten. Mittlerweile treten Erkrankungsfälle allerdings überwiegend in der übrigen Berliner Bevölkerung auf.

Windhorst: „Die Entwicklung in Berlin zeigt, dass wir beim Impfschutz auch grenzüberschreitend denken müssen. Impflücken können wir uns europaweit nicht leisten. Es ist in Europa eine länderübergreifende Impf-Initiative notwendig.“ Manche Erkrankungen seien offenbar aus dem Bewusstsein der Gesellschaft verschwunden. Wenn es aber wieder vermehrt zum Auftreten von Infektionskrankheiten komme, die eigentlich schon überwunden schienen, sei dies ein deutliches Warnsignal.  Windhorst: „Eigentlich ist es schon zu spät.“ Durch gezielte Informationen müssten irrationale Ängste, etwa auch über angebliche Nebenwirkungen von Impfstoffen, durch ärztliche Beratung abgebaut werden. „Der erste Ansprechpartner beim Impfen ist der Arzt. Jeder Arztbesuch kann dazu genutzt werden, auch als Erwachsener seinen Impfstatus zu überprüfen.“

Ein konsequentes Fortführen der Impfungen sei nicht nur Selbstschutz, sondern verhindere auch das Übergreifen von gefährlichen Infektionskrankheiten auf andere. Gerade am Beispiel der Masern sei gut zu erkennen, dass nur eine hohe Durchimpfungsrate die Ausbreitung der Krankheit verhindern könne. Impfungen sind laut ÄKWL-Präsident Windhorst die „wichtigsten, wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Präventionsmaßnahmen“ in der Gesundheitsvorsorge und könnten zuverlässig Krankheiten verhindern.

Text: Christian Kreuzberg

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