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Welt-Alzheimer-Tag am 21.September

Plakat-Welt-Alzheimer-Tag-2015
Plakatmotiv zum Welt Alzheimer Tag 2015

Kreisklinikum Siegen weist zum Welt-Alzheimer-Tag am 21.09. auf schwierige Situation der Patienten und deren Angehörigen hin

Chefarzt Dr. Ullrich bittet um Verständnis für Betroffene und zeigt Möglichkeiten zum Umgang mit Erkrankung auf

Seit 1994 finden jeweils am 21. September weltweit Aktionen statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. Weltweit sind etwa 46 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, in Deutschland etwa 1,50 Millionen, Tendenz steigend. Die meisten der Betroffenen sind bereits 85 Jahre und älter. Da die Anzahl der alten Menschen bei uns in den nächsten Jahren wachsen wird, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf rund 3 Millionen steigen wird, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

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Chefarzt Dr. med. Heiko Ullrich, Stellv. Ärztlicher Direktor

Im Siegener Kreisklinikum setzt sich der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Dr. med. Heiko Ullrich, aktiv für diese Patientengruppe, aber auch für deren häufig stark belasteten Angehörigen, ein. Als „Demenz“ bezeichnen Mediziner einen Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Dabei kommt es zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs. Demenzerkrankungen können vielfältige Ursachen haben, wobei die Alzheimer-Krankheit (benannt nach dem Psychiater Alois Alzheimer) für rund 60% aller Demenzen verantwortlich ist. Sie führt dazu, dass Nervenzellen und Synapsen in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich nicht mehr funktionieren.

Auch wenn es bislang leider keinen Schutz davor gibt, an Alzheimer zu erkranken, so sind laut Dr. Ullrich aber einige Faktoren bekannt, die das Risiko daran zu erkranken, reduzieren können. „Geistige, körperliche und soziale Aktivität, eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, und besonders die rechtzeitige Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus gehören dazu.“ Lt. dem Chefarzt des Siegener Kreisklinikums ist die Alzheimer-Krankheit noch nicht heilbar, ein Fortschreiten der Symptome lässt sich aber hinauszögern. Entsprechende Medikamente (Antidementiva) sind auf dem Markt erhältlich, diese halten über ungefähr ein Jahr die geistige Leistungsfähigkeit aufrecht und wirken sich positiv auf den gesamtem Alltag des Betroffenen und damit auch auf seine Umwelt aus. Um die Lebensqualität Demenzkranker und der Angehörigen weiter zu verbessern, kann ein Arzt dazu Ergotherapie, Logopädie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik verordnen. Zusätzlich können andere nichtmedikamentöse Ansätze wie Musikund Kunsttherapie, Verhaltenstherapie oder die Erinnerungstherapie ebenfalls hilfreich sein. Dabeimüssen stets die Persönlichkeit und die individuellen Besonderheiten der Erkrankten sowie dessen Umfeld berücksichtigt werden. Ganz wichtig für die Erkrankten sind aus Sicht des Mediziners insbesondere die menschliche Zuwendung, Beschäftigung, ein entspannter Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt (Milieutherapie). Demenzerkrankungen verlaufen leider recht unterschiedlich, ebenso unterschiedlich sind die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Betroffenen. Deren Verhaltensweisen ändern sich im Verlauf der Krankheit und körperliche Symptome nehmen in der Regel zu. Einige der Kranken sind freundlich, andere aggressiv, einige sind körperlich gesund, andere wiederum bettlägerig. Die Ausprägung der Erkrankung verändert sich nicht nur im Verlauf der Krankheit, sondern ist häufig auch abhängig von der Tagesform und der Tageszeit. Und auch die pflegenden Angehörigen befinden sich in sehr unterschiedlichen Situationen. Leider gibt es keine Patentrezepte für den Umgang mit Demenzkranken, sondern es gilt auszuprobieren, was wem wie in welcher Situation hilft.

Folgende Tipps und Umgangsformen haben sich im klinischen Alltag bewährt:

  • Die Annahme der Krankheit ist besser, als sie zu verleugnen.
  • Alle Betroffenen sollten möglichst viel Wissen über die Krankheit und deren Verlauf erwerben.
  • Es hilft, den Kranken, sein Verhalten, seine Äußerungen beobachten und sich in seine Situation hineinzuversetzen.
  • Das Umfeld muss informiert werden und das eigene Verhalten auf den Kranken einstellen. Zum Beispiel durch langsames und deutliches Sprechen, Zuwendung geben, für einen gleich bleibenden, aber flexiblen Tagesablauf sorgen, Sicherheit und Geborgenheit schaffen.
  • Den Kranken nicht auf seine Fehler hinweisen, ihn nicht korrigieren, kritisieren, überfordern.
  • Noch vorhandene Fähigkeiten erhalten, die Kranken in Alltagstätigkeiten, die ihnen Spaß machen, einbeziehen. Dabei an gewohnte Handlungsmuster anknüpfen. Welche Vorlieben und Abneigungen hat der Kranke?
  • Ganz wichtig ist die Anpassung der äußeren Lebensbedingungen: z.B. Sicherung von Gas- und Elektrogeräten, Nachtbeleuchtung, zweckmäßige Kleidung, Armband oder Zettel mit Name und Adresse, wenn der Kranke dazu neigt die Wohnung zu verlassen.

 

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bietet im Bereich der Ergotherapie Sprechstunden und Ansprechpartner an. Ein spezielles Gedächtnistraining für Demenzerkrankte leitet Mitarbeiterin Martina Bergner zweimal pro Woche, Kontakt und weitere Infos unter Telefon: 0271 / 705-609939.

 

Blick auf die psychiatrische Station am Siegener Kreisklinikum
Blick auf die psychiatrische Station am Siegener Kreisklinikum

Quelle/Fotos: Kreisklinikum Siegen

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