Verbrannt – verbrüht, was tun?

Gefahrensituation im häuslichen Umfeld.
Gefahrensituation im häuslichen Umfeld.

Spezialisten der DRK-Kinderklinik geben zum „Tag des brandverletzten Kindes“ Tipps zur Prävention und Behandlung von Verbrühungen und Verbrennungen bei Kindern.

„Verbrannt – verbrüht was tun?“ unter diesem Motto findet der diesjährige „Tag des brandverletzten Kindes“ am 07. Dezember statt. Bundesweit werden mit zahlreichen Aktionen auf Erste-Hilfe Maßnahmen, Behandlungsmöglichkeiten und die hohen Unfallzahlen aufmerksam gemacht.

Jährlich müssen mehr als 30.000 Kinder in Deutschland wegen Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich behandelt werden, in Siegen waren es von Januar 2014 bis März 2015 insgesamt 254 kleine Patienten, die ambulant oder stationär versorgt werden mussten. Die häufigste Unfallursache bei thermischen Verletzungen im Kindesalter sind Verbrühungen. Dabei sind mehr als 70% der Kinder zum Unfallzeitpunkt jünger als 5 Jahre. Bedauerlich ist auch, dass nach Expertenschätzungen ca. 60% aller Unfälle mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, angepasst an den sich ständig vergrößernden Radius eines heranwachsenden Kindes, hätten vermieden werden können.

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Chefarzt der Abteilung Kinderchirurgie und Kinderurologie, Dr. Stefan Beyerlein und Tobias Went, Facharzt für Kinderchirurgie.

Ein Unfall mit thermischen Verletzungen setzt eine Rettungskette mit mehreren Beteiligten wie Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Kliniken in Gang. Die Experten der DRK-Kinderklinik Siegen mit Chefarzt Dr. Stefan Beyerlein und Oberarzt Tobias Went, die beide spezielle Weiterbildungen in der Versorgung brandverletzter Kinder haben, können dank der Einrichtung eines speziellen Versorgungszimmers für brandverletzte Kinder 2014 auf dem Wellersberg inzwischen viele Fälle von thermischen Verletzungen auch heimatnah behandeln.

Ziel des Aktionstages ist es, mit verschiedenen Präventionskampagnen des Vereins „“Paulinchen e.V.“ vor den Gefahren durch heiße Flüssigkeiten und Flächen sowie Feuer, Strom und Säuren Eltern und Familien zu warnen und Kinder so vor den Unfällen zu bewahren.

Warme und heiße Flüssigkeiten finden sich häufig zu Hause, manchmal an Stellen, die man so gar nicht konkret als Gefahrenquelle erkennt. Insbesondere in den kalten Monaten kommt es häufiger zu Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten. „Bereits eine Tasse heißer Kaffee oder Tee kann bis zu 30% der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes verbrühen. Heiße Flüssigkeiten müssen dafür gar nicht kochend heiß sein, sie schädigen bereits ab 52°C die zarte Kinderhaut“, so Chefarzt Dr. Stefan Beyerlein. „Das Problem dabei ist, dass gerade kleine Kinder die Gefahren, die beispielweise von einer heißen Tasse Tee ausgehen, gar nicht erkennen.“

Eltern sollten die Gefahren im häuslichen Umfeld deutlich wahrnehmen, den Kindern erläutern, was „heiß“ bedeutet und aktiv vor den Gefahrenquellen schützen. Daher dürfen bspw. Wasserkocher, Kaffeemaschinen und heiße Getränke für die Kleinen nicht erreichbar stehen. Auch an die zu den Geräten führenden Stromkabel sollte man denken. Denn bereits kleinere Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle können gefährlich und sehr traumatisch für Kinder sein.

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„Thermische Verletzungen, auch nach Verbrühungen, sind sehr lange sehr schmerzhaft, bedürfen zudem intensiver Behandlungen durch Spezialisten und verheilen nie folgenlos“, betont Tobias Went, Facharzt für Kinderchirurgie und Spezialist für Brandverletzungen an der Siegener Kinderklinik.

Kommt es trotz aller Vorsicht dennoch zu einer Verbrühung oder Verbrennung, so sollte die Wunde umgehend für 10 Minuten unter fließendem Wasser gekühlt werden. Die Wassertemperatur sollte dabei aber nicht unter 15°C liegen. Bei tiefen, zirkulären oder großflächigen Verbrühungen sowie Verletzungen des Gesichts, der Hände oder des Genitales sollte immer unverzüglich ärztlicher Rat gesucht werden. „Es geht darum, von Anfang an die Weichen für die weitere Behandlung richtig zu stellen, um für den Patienten die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen“, erläutert der Verbrennungsexperte.

Um es erst gar nicht dazu kommen zu lassen, rufen die Ärzte der Siegener Kinderchirurgie daher explizit zur aktiven Auseinandersetzung mit den Gefahrenquellen in der Familie auf. Dr. Beyerlein dazu: „Schauen Sie bei sich zu Hause, aber auch bei Ihren Verwandten und Bekannten, die Sie mit Ihrer Familie besuchen, nach möglichen Gefahren und eliminieren Sie diese langfristig. Denken Sie dabei nicht nur an die Geräte oder Behälter selbst, auch Stromkabel sind für Kinder interessant.“

Quelle: DRK-Kinderklinik

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