Das Feuer in mir

Pain in the abdomen or in the stomach of man. Heartburn.

Fast alle Tiere und der Mensch haben einen Magen als Verdauungsorgan: ein Hohlkörper ausgekleidet mit einer Schleimhaut und umgeben von Muskelgewebe. Im menschlichen Magen wird der Nahrungsbrei mit dem Magensaft vermischt, einem Gemisch aus Magensäure und Pepsinen, die das Eiweiß spalten sollen. Durch gezielte Kontraktionen des Magens wird der vorverdauerte Brei zum Pförtner geschoben, einem Schließmuskel, der den Zugang zum Darm steuert. Ist dieses komplexe System gestört, kommt es zu unterschiedlichen Erkrankungen, die von einem lästigen Leiden bis zu tödlichen Magenkrebs führen kann. Das Sodbrennen, oft verursacht durch das Aufstoßen und den Rückfluss (Reflux) der Magensäure hinein in die Speiseröhre führt zu einer schmerzhaften Reizung, die bis in den Rachen ausstrahlen kann, wenn dieses auch noch gallig und bitter ist, reicht der Rückfluss bis aus dem Zwölffingerdarm zurück.

Sodbrennen als Krankheit

Meist tritt Sodbrennen nach üppigem, fettem Essen auf und klingt dann auch nach einiger Zeit wieder komplett ab. Treten die Symptome jedoch so häufig und intensiv auf, dass man sich dauerhaft unwohl und in seinem Alltag eingeschränkt fühlt, oder gibt es sogar Hinweise auf eine organische Komplikation, dann kann es sich um eine „Refluxkrankheit“ handeln.

Die Refluxkrankheit ist weit verbreitet und kann schon im Kindesalter auftreten. Neben saurem Aufstoßen verspüren die Betroffenen oftmals einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein. Verursacht wird dieser durch Magensäure, die in die Speiseröhre zurück fließt und dort die Schleimhaut reizt. Passiert dies öfter, kann sich die Speiseröhre entzünden. Daneben leiden Betroffene oft unter Schluckbeschwerden oder einem starken Völlegefühl. Wenn die Magensäure zudem in die Luftröhre gelangt, können weitere Symptome wie Husten oder angegriffener Zahnschmelz hinzukommen.

Unterschiedliche Faktoren

Normalerweise verhindert ein Schließmuskel, dass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Er ist komplett geschlossen, öffnet sich aber, wenn wir Essen hinunterschlucken. Jetzt kann es aber dazu kommen, dass der Schließmuskel zu schwach ist und dadurch Magensäure nach oben steigt. Andererseits kann auch die Speiseröhrenmuskulatur beeinträchtigt sein und es nicht schaffen, den Mageninhalt wieder nach unten zu drücken.

Es gibt viele Faktoren, warum Magensäure zurückfließt. Zum Beispiel können auch organische Gründe wie ein Tumor, Geschwulst oder ein Zwerchfellbruch der Auslöser sein. Zum anderen wirken sich aber auch Nikotin, Stress, bestimmte Medikamente und üppiges, fettes oder stark gewürztes Essen negativ auf die Säureproduktion im Magen und die Muskelspannung aus. Etwas anders stellt sich die Situation bei werdenden Müttern dar. Hier führt, je fortgeschritten die Schwangerschaft, der erhöhte Druck im Bauch dazu, dass Magensäure leichter in die Speiseröhre gelangt. Der Zustand normalisiert sich jedoch wieder, sobald das Kind auf der Welt und damit der erhöhte Druck im Bauch verschwunden ist.

„Häufig kann die Diagnose rasch gestellt werden. Insbesondere bei atypischen Symptomen ist aber die Diagnostik erschwert. Hier muss die klinische Expertise durch differenzierten Einsatz von apparativer Diagnostik ergänzt werden“, erklärt Prof. Dr. med. Frank Willeke, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im St. Marien-Krankenhaus Siegen. „Darüber hinaus gibt es nicht selten Probleme bei der Behandlung. Deshalb sollten Betroffene Experten aufsuchen und die Symptome abklären lassen.“

Das Reflux-Zentrum Siegerland, das vom Diakonie-Klinikum Siegen und dem St. Marien-Krankenhaus Siegen seit Dezember betrieben wird, trägt dieser Problematik Rechnung. Spezialisten für die Diagnostik, konservative und operative Therapie haben sich zusammengeschlossen, um für Problemfälle gemeinsam Lösungen aufzuzeigen.

Unterschiedliche Faktoren

Um festzustellen, ob es sich um einen Reflux handelt oder nicht, gibt es unterschiedliche Methoden. Ein Mittel ist zum Beispiel die Endoskopie. Dabei wird untersucht, ob sich die Schleimhaut der Speiseröhre typischerweise verändert hat. Nicht immer ist diese Methode aber ganz eindeutig, weil manchmal keine Veränderung festzustellen ist. Deshalb kann der Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre auch mittels einer Impedanzmessung und einer pH-Metrie nachgewiesen werden.

In den meisten Fällen reichen Medikamente zur Einschränkung der Säureproduktion im Magen, sowie eine Umstellung der Ernährung und des Lebensstils aus, um die Beschwerden einer Refluxkrankheit zu lindern. Das bedeutet auch die Vermeidung von Stress und Nikotin, und in vielen Fällen eine Gewichtsreduktion. Oftmals hilft es den Patienten auch, wenn sie vor dem Schlafen nichts mehr essen und etwas erhöht schlafen.

Sollte die medikamentöse Behandlung allerdings keinen Erfolg bringen, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden –  das St. Marien-Krankenhaus Siegen bringt hierzu seine Expertise in das Reflux-Zentrum Siegerland ein. Bei dem Eingriff wird ein eventuell bestehender Zwerchfellbruch beseitigt und der Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen wieder hergestellt. Das passiert heutzutage mit einer minimal-invasiven Technik, bei der eine Manschette um die Speiseröhre gelegt und befestigt wird. Die meisten Patienten sind anschließend dauerhaft beschwerdefrei.

Text: Chantal Kleinschmidt

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