Fußheberlähmung: Spezialsprechstunde für Betroffene am Diakonie Klinikum Jung-Stilling ins Leben gerufen

Individuelle Lösungen in Sachen Fußheberlähmung werden in der Sprechstunde erörtert.

Zentrum hilft wieder auf die Beine

Siegen. Ob nach einem Bandscheibenvorfall, einem Nervenschaden am Bein, einem Schlaganfall oder infolge eines Diabetes: Gründe, warum es plötzlich nicht mehr gelingt, seine Füße aktiv nach oben zu ziehen, gibt es viele. „Die Ursachen reichen von Kopf bis Fuß“, bringt es Dr. Anne Carolus auf den Punkt. Die Oberärztin der Neurochirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen hat nun ein interdisziplinäres Zentrum für Betroffene der Fußheberparase, so der medizinische Fachbegriff, ins Leben gerufen. In speziellen Sprechstunden werden Lösungen gesucht, um den Patienten wieder auf die Beine zu helfen.

Eine Lähmung des vorderen Schienbeinmuskels sorgt bei der Fußheberparese dafür, dass Betroffene den Fußrücken oder Fußaußenrand nicht mehr nach oben ziehen können. „Wenn sie laufen, heben sie deshalb das Bein aus der Hüfte heraus an“, so Dr. Carolus.  Diese Gangstörung wird als „Schlappfuß“ oder „Steppergang“ bezeichnet – und kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.  Betroffene sind, so die Neurochirurgin, besonders sturzgefährdet, bleiben an Rolltreppen hängen oder können sich die Schuhe nicht mehr alleine anziehen. Die dauernde Fehlbelastung durch die Hebung aus dem oberen Beinbereich führt zudem zu Fehlstellungen, Hüft- oder auch Rückenproblemen. „Nicht zu vernachlässigen ist zudem die soziale Komponente“, sagt Dr. Carolus. Denn: „Betroffene meiden es irgendwann, aus dem Haus zu gehen, weil sie befürchten zu stolpern und aufgrund der Gangstörung einfach auffallen.“

Neurochirurgin Dr. Anne Carolus nimmt sich der Beschwerden mit einem interdisziplinären Team an.

In der Fußheberlähmungs-Sprechstunde nimmt sich Dr. Carolus gemeinsam mit anderen medizinischen Fachleuten dem Leiden an. Beteiligt sind neben den Neurochirurgen auch Ärzte der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling, Orthopäden, Orthopädie-Mechaniker sowie Physiotherapeuten.

Gemeinsam kann das interdisziplinäre Team auf eine Reihe von Therapiemethoden zurückgreifen. „Wichtig ist, dass die Patienten im Anfangsstadium einer Nervenschädigung bei uns vorstellig werden, also spätestens sechs Monate, nachdem sie Probleme bemerken“, so Dr. Carolus. Die wirksamste Methode, um der Fußheberparase zu begegnen, ist eine Operation. Dabei wird die Sehne eines anderen Fußmuskels auf den Fußrücken umgelenkt – „nach dem Seilzug-Prinzip“. Dafür sind vier kleine Schnitte am Fuß nötig, eine Woche Krankenhausaufenthalt ist einzuplanen. „Wirklich herausfordernd für die Patienten ist die Zeit danach“, erklärt die Medizinerin. Sechs Wochen lang muss der Fuß entlastet und geschient bleiben, damit die Sehnen verheilen. Erst dann beginnt das aktive Training.

Wer eine Operation vermeiden möchte, kann mit einer Schiene versorgt werden, die den Fuß aus der „Schlappstellung“ bringt. Dies bringt laut der Neurochirurgin indes auch einige Nachteile mit sich: „Nicht immer ist es einfach, die genaue Passform der Schiene zu finden. Und dann kann es zu einer Verkümmerung der Muskeln kommen, da die Schiene sehr viel Kraft übernimmt.“

Individuelle Lösungen werden in der Sprechstunde erörtert. Diese hat Dr. Anne Carolus bereits an ihrem vorherigen Arbeitsplatz, der Uni-Klinik Bochum, eingeführt. „Schon nach kurzer Zeit konnten wir Patienten aus ganz Deutschland begrüßen. Die Art der Lähmung ist weiterverbreitet, als man denkt.“ Mit im Team für die Versorgung der Patienten sind unter anderem ihr ehemaliger Bochumer Kollege Simon Bovelet, Oberarzt der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling, sowie die beiden „Stilling“-Chefärzte Privatdozent Dr. Thomas C. Pech (Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie) und Prof. Dr. Veit Braun (Neurochirurgie).

Betroffene können per Email an web.neurochirurgie@diakonie-sw.de oder unter Telefon 0271/333 4382 einen Termin vereinbaren. 

Quelle: Diakonie SüdWest

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