Herzwoche des Diakonie Klinikums lässt keine Fragen offen

Telefonaktion, Vorträge, Videos: Kardiologen geben ausführlich Rat zu „Vorhofflimmern“

In Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung, vertreten vom ehrenamtlichen Beauftragten Günter Nöll (3. von links), fanden neben den digitalen Info-Möglichkeiten auch medizinische Vorträge im Siegener Lÿz statt. Als klinische Experten für die Gäste vor Ort waren (von links) Dr. Ritvan Chasan, Dr. Kay-Felix Weipert, PD Dr. Damir Erkapic, Prof. Dr. Dursun Gündüz und Dr. Werner Meyners.

Siegen. Mit einer Telefonaktion, Bühnen-Vorträgen und Online-Videos hat die zwölfte Herzwoche des Diakonie Klinikums zum Thema „Vorhofflimmern“ digital und in Präsenz zahlreiche Interessierte erreicht. Telefonisch holten sie sich bei den kardiologischen Experten des „Stillings“ wertvollen Rat und nutzten am Abend die Gelegenheit, sich bei Vorträgen der Ärzte im Siegener Lÿz zu informieren. Tausende schauten sich zudem schon vorab die Videos des Herz-Teams an – auf den digitalen und Social-Media-Kanälen der Diakonie in Südwestfalen. Die Aktion fand in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung und anlässlich der bundesweiten Herzwochen statt.

Muss ich blutverdünnende Medikamente auch bei gelegentlich auftretendem Vorhofflimmern einnehmen? Würde mir eine zweite Katheterablation helfen? Könnte es Vorhofflimmern sein, wenn ich Herzstolpern und ein Engegefühl in der Brust verspüre? Diese und viele weitere Fragen wurden von vier Kardiologen und Rhythmologen des Diakonie Klinikums Jung-Stilling bei der Telefonaktion beantwortet. Zwei Stunden lang standen die klinischen Fachleute ausführlich Rede und Antwort – darunter Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Chefarzt Kardiologie und Rhythmologie, Dr. Felix Weipert, Leitender Oberarzt Kardiologie und Rhythmologie, Dr. Ritvan Chasan, Leitender Oberarzt Rhythmologie, und Dr. Werner Meyners, Leitender Oberarzt internistische Intensivstation. Vorhofflimmern gilt als eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen – in Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen davon betroffen. Dabei handelt es sich um elektrische Fehlimpulse, die in den linken Vorhof des Herzens münden und meist aus Zellen der Lungenvenen kommen. Folglich bewegen sich die Herz-Vorhöfe unkontrolliert, was zu einem unregelmäßigen Herzschlag führt und einen Schlaganfall begünstigt. Im Alltag kann sich die Krankheit mit Herzrasen, Schwindel und Schwäche äußern. „Beim Großteil der Anrufer war die Diagnose bereits gesichert und eine Therapie eingeleitet. Dennoch holten sich viele eine Zweitmeinung – etwa im Hinblick auf die Frage, ob sie medikamentös richtig eingestellt sind“, schilderte Privatdozent Dr. Erkapic. Eine 86-jährige Anruferin beschrieb im Gespräch mit Dr. Chasan ihre Beschwerden eines erst kürzlich stattgefundenen Vorhofflimmer-Szenarios. „In diesem Fall scheint die Therapieform unzureichend zu sein. Ich riet ihr, sich für eine weitere Abklärung persönlich ambulant vorzustellen“, so der Leitende Oberarzt. Unisono freute sich das Herz-Team über die freundlichen Rückmeldungen an den Telefonhörern: „Die Anrufer zeigten sich dankbar für die Tipps und Ratschläge.“

Die Kardiologen des Diakonie Klinikums (von links) Dr. Kay-Felix Weipert, Privatdozent Dr. Damir Erkapic, Dr. Werner Meyners und Dr. Ritvan Chasan beantworteten bei der Telefonaktion die Fragen ihrer Anrufer.

Während am Nachmittag die individuellen Anliegen der Anrufer im Fokus standen, ging es für die klinischen Experten nahtlos von den Hörern auf zur Bühne. Im Kulturzentrums Lÿz gaben sie den Gästen einen Gesamtüberblick zum „Vorhofflimmern“. Professor Dr. Dursun Gündüz, Chefarzt Kardiologie und Angiologie, führte durch das Programm. Auf die Vorhofflimmerablation als eine mögliche Therapiemethode machte der rhythmologische Chefarzt Privatdozent Dr. Erkapic aufmerksam: „Das katheterbasierte Verfahren sollte möglichst früh zum Einsatz kommen, da die Erfolgsaussichten einer dauerhaften Heilung hier am größten sind.“ Der Experte illustrierte die Vorgehensweise der Behandlung und machte deutlich: „Neue weltweit durchgeführte Studien belegen, dass die Katheterablation einer medikamentösen Therapie überlegen ist und die Chronifizierung des Vorhofflimmerns damit in vielen Fällen verhindert werden kann.“ Mit der Methode wird um die Lungenvene herum eine feine „Narbe“ erzeugt, die die verantwortlichen Impulse daran hindert, in den Vorhof zu gelangen. Bei einer Ablation werden als Energiequellen Hochfrequenzstrom oder Kälteenergie genutzt. Ein nette Nebeninformation: „Wir spielen gerne dabei die Lieblingsmusik unserer Patienten, um es ihnen so entspannt wie möglich zu machen“, so der Chefarzt. Denn: Es braucht keine Vollnarkose, Patienten erhalten nur etwas zum „Dösen“ und „Träumen“. Als weiteres minimal-invasives Vorgehen gilt der sogenannte Vorhofohrverschluss. Bei dieser Therapieform wird ein kleines Netz-Schirmchen – ein sogenannter Occluder – eingesetzt. Damit wird das linke Vorhofohr, wie mit einer Art „Korken“, dauerhaft verschlossen. „Bei Vorhofflimmern bilden sich die Blutgerinnsel meist im Vorhofohr. Also verschließen wir genau die Stelle, um zu verhindern, dass die Gerinnsel zu den Hirngefäßen schwimmen und diese verstopfen“, beschrieb Rhythmologe Dr. Weipert das Prozedere. Blutgerinnungshemmende Medikamente werden bis zur kompletten Einheilung des Implantates für mindestens drei Monate weiterhin eingenommen und dann der Sitz des „Occluders“ bei einem Nachsorgetermin kontrolliert. Neben Therapiemaßnahmen klärte das Ärzteteam auch themenbezogen über Mythen auf, die in der Gesellschaft kursieren. Dass Vorhofflimmern genauso schlimm ist wie Kammerflimmern, verneinte Dr. Meyners: „Die Krankheiten klingen zwar ähnlich, doch Kammerflimmern führt zu einem sofortigen Herzkreislaufstillstand und ist somit ungleich gefährlicher.“ Der landläufigen Meinung, dass bei gelegentlich auftretendem Vorhofflimmern keine blutverdünnenden Medikamente nötig sind, trat Dr. Meyners ebenso entgegen: „Das sogenannte paroxysmale Vorhofflimmern sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn auch dann ist eine Therapie nötig.“

Im Anschluss an die Vorträge ließen die Experten Zeit für Fragen. „Kann ich mit Vorhofflimmern leben?“, wollte ein Gast wissen. Dr. Weipert bejahte und wies darauf hin, dass Vorhofflimmern keine unmittelbar tödliche Störung am Herzen ist, jedoch mit entsprechender Therapie unter anderem einem Schlaganfall vorgebeugt werden muss. „Wo liegen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Blutverdünnern?“ Diesbezüglich gelte es, die entsprechenden Organfunktionen der Patienten zu beachten, da manche Arzneimittel eher von den Nieren, andere mehr von der Leber verstoffwechselt werden.

Die Online-Kurzfilme der Experten zu „Vorhofflimmern“ sind auch weiterhin auf dem YouTube-Kanal der Diakonie in Südwestfalen oder auf der Aktionsseite www.herzwoche-jung-stilling.de abrufbar. Kostenlose Informationsmaterialien bietet die Deutschen Herzstiftung an unter www.herzstiftung.de/bestellung.

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