Synkope: Erstmal kein Anlass zur Sorge

EKG bei einem jungen Patienten in der Kinderkardiologie des MVZ Wellersberg an der DRK-Kinderklinik Siegen.

Anlässlich des Weltherztages Ende September eines jeden Jahres informieren die Kinderkardiologen der Kinderklinik Siegen über ein häufiges „Herz-Kreislauf-Problem“ bei älteren Kindern und Jugendlichen: Die Synkope.

Eine Synkope, allgemein auch als Ohnmachtsanfall bekannt, beschreibt einen vorübergehenden Bewusstseinsverlust durch eine kurze Durchblutungsstörung des Gehirns. Dabei sind ein rasches Einsetzen mit Muskeltonusverlust, eine kurze Dauer und eine spontane, vollständige Erholung charakteristisch. „Solche Synkopen sind bei Jugendlichen keine Seltenheit und treten typischerweise im Alter zwischen 10 und 21 Jahren auf. Sie können beängstigend sein, aber in den meisten Fällen sind sie harmlos und haben keine Folgen“, erläutert Dr. Timo Klaas, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Kinderkardiologie der DRK-Kinderklinik Siegen.

Dennoch kommt es aufgrund der als bedrohlich wahrgenommenen Symptomatik aus Sicht der Siegener Experten häufig zu wiederholter, ungerechtfertigt übertriebener und kostenintensiver Diagnostik. Dr. Manfred Schill, ebenfalls Kinderkardiologe und Intensivmediziner an der Siegener Kinderklinik betont daher: „In den meisten Fällen ist eine Basisdiagnostik, bestehend aus Erhebung der Vorgeschichte und Umständen des Ereignisses, Untersuchung, EKG und Erfassung der Vitalparameter durch den Kinderarzt ausreichend. Häufig handelt es sich um durch Nerven vermittelte Reflexsynkopen oder seltener um einen Blutdruckabfall nach dem Aufstehen. Nur wenige Synkopen haben eine ernsthafte, herzbedingte Ursache, wie zum Beispiel eine Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen, und brauchen daher eine erweiterte Diagnostik durch einen Kinderkardiologen.“ Diese Darstellung sollte Eltern und Betroffene zunächst einmal beruhigen. In den Fällen einer typischen, wie der Experte sagt „gutartigen“ Synkope sollten Kinder und ihre Eltern über die Harmlosigkeit der Diagnose aufgeklärt werden. Zumal es eine Vielzahl an Akutmaßnahmen bei drohender Synkope, wie etwa die Aktivierung der Muskelpumpe oder frühzeitiges Hinsetzen bzw. Hinlegen, genauso wie vorbeugende Maßnahmen, beispielsweise ein regelmäßiges Ausdauertraining, genug Schlaf und gutes Trinkverhalten, angesprochen werden. „Einschränkungen bezüglich Sport, Reisen, Belastbarkeit und Schulbesuchen bestehen in der Regel nicht. Es kann zwar nach einer ersten Synkope zu einer oder mehreren Folgesynkopen kommen, doch die langfristige Prognose für eine dauerhafte Beschwerde-freiheit ist sehr gut,“ kann Dr. Timo Klaas beruhigen.

Herz-Ultraschall einem jungen Patienten in der Kinderkardiologie des MVZ Wellersberg an der DRK-Kinderklinik Siegen.

Laut dem Kollegen Dr. Manfred Schill macht folgende Herangehensweise Sinn: „Bei Kindern, in deren Familien erbliche Herzrhythmusstörungen vorliegen oder gar unklare Todesfälle aufgetreten sind sowie bei Synkopen unter körperlicher Belastung oder bei insgesamt unklaren Umständen, ist eine erweiterte Diagnostik indiziert. Diese wird dann vom Kinderkardio-logen durchgeführt bzw. organisiert.“ Es kann dann auch mal ein Sport-verbot bis zur Klärung der Symptomatik und der Ursachen ausgesprochen werden.

Im MVZ am Wellersberg, dem ambulanten Angebot für Patienten an der Kinderklinik Siegen, können die notwendigen Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen nach einer ersten Abklärung und Überweisung durch die Kinderarztpraxis erfolgen. Dabei geht das diagnostische Angebot vom Ultraschall über das Kurz- und Langzeit- bis hin zum Belastungs-EKG auf dem Laufband oder dem Ergometer. Auch eine Spiroergometrie (neben EKG und Blutdruck erfolgt die Messung der Sauerstoffaufnahme und CO2-Abgabe) und eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden sind diagnostische Mittel bei der kardiologischen Untersuchung. Die Diagnostik dient u.a. zur Abklärung von Herzgeräuschen, Herzfehlern, Herzrhythmusstörungen sowie der Langzeitbetreuung von chronisch herzkranken Patienten. Auch die Diagnostik und Behandlung eines Bluthochdrucks in jungen Jahren kann Gegenstand der Versorgung sein. Die postoperative oder postinterventionelle Verlaufskontrollen bei Patienten nach einer Herzoperation oder einer Herzkatheterintervention können hier heimatnah erfolgen, Abklärung und Behandlung von Blutschwämmchen (Hämangiomen) ist ebenfalls Aufgabe der Kinderkardiologen.

Dr. Manfred Schill – Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie, Neonatologie und Päd. Intensivmedizin
Dr. Timo Klaas – Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Quelle/Fotos: DRK-Kinderklinik Siegen

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