Ebola – droht Gefahr für die Region?

Ein Virus verbreitet aktuell Angst und Schrecken: Ebola. Ein erster Patient soll in Deutschland behandelt werden. Doch was bedeutet die Epidemie aus Afrika für Menschen in der Region Siegen-Wittgenstein/Olpe?

Prof. Stephan Günther, Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut, hat hierzu Fragen beantwortet, von denen doqtor eine Auswahl zusammengestellt hat. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.

Welche Übertragungswege gibt es?

Das Virus wird schwer von Mensch zu Mensch übertragen, also nicht wie Schnupfen oder Grippe. Man muss immer einen direkten Kontakt zu einem Erkrankten oder den infektiösen Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin, Durchfall haben. In Afrika wird das Virus bei der Pflege von Erkrankten in der Familie, bei der Waschung der Verstorbenen durch Familienangehörige und durch direkten Kontakt zum Verstorbenen auf den Begräbnissen übertragen.

Ist eine Ausbreitung der Epidemie nach Europa denkbar?

Nein. Es ist zwar möglich, dass das Virus mit einem Infizierten nach Europa importiert wird. Aber es wird sich hier nicht weiterverbreiten. Da das Ebolavirus nur bei engem Kontakt zu einem Erkrankten übertragen werden kann, besteht nur ein geringes Risiko einer weiteren Verbreitung. Es sei denn, Angehörige pflegen die Erkrankten ohne Schutz und beerdigen die Verstorbenen selber.

Gab es bereits Fälle von eingeschleppten hämorrhagischen Fieberviren in Europa?

Ja, zum Beispiel das Schwesternvirus von Ebola, das Marburgvirus. Es trat erstmalig 1967 in der Stadt Marburg hier in Deutschland auf. Labormitarbeiter hatten sich an erkrankten Affen infiziert, die für Laborzwecke aus Afrika importiert worden waren. Es gab einige wenige Übertragungen auf Familienangehörige. Obwohl das Virus damals noch völlig unbekannt war, wurde die Übertragungskette in kürzester Zeit gestoppt.

Auch eine Touristin aus den Niederlanden, die sich vor fünf Jahren in einer Höhle in Uganda mit dem Marburgvirus infiziert hatte und dann in Europa erkrankte, hat das Virus weder auf Familienangehörige noch medizinisches Personal übertragen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen gibt es, wenn es zu einer Ansteckung mit dem Virus kommt?

Es gibt keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten oder Medikamente. Auf der Isolierstation in Afrika wird unterstützend behandelt, zum Beispiel mit Infusionen und kreislaufstabilisierenden Medikamenten. Hier in Europa können wir auch intensivmedizinisch behandeln, mit künstlicher Beatmung, Dialyse, Blutersatz, sprich allem, was die moderne Intensivmedizin zu bieten hat. Wir wissen aber von den seltenen Fällen, wo Reisende ähnliche Erkrankungen wie Marburg-, Lassa-, oder Krim-Kongo-Fieber nach Europa mitgebracht haben, dass auch die Intensivmedizin das Leben der Patienten nicht retten kann. Es gibt Medikamente und Antikörper, die im Tierversuch wirksam waren. Es ist aber viel Geld und Zeit erforderlich, diese sogenannten experimentellen Therapien so weiterzuentwickeln, dass sie für den Menschen zugelassen werden können.

Text: Auszüge der Mitteilung Bernhard-Nocht-Institut zur Ausbreitung von Ebola, 26. Juni 2014, http://www.bnitm.de/aktuelles/mitteilungen/alle-mitteilungen
Foto: © abhijith3747 – Fotolia.com

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