Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

Crazy excited man

Bipolare Störungen wurden bis vor wenigen Jahren als manisch-depressive Erkrankungen bezeichnet. Betroffene leiden unter extremen, willentlich nicht kontrollierbaren Auslenkungen des Antriebs, ihrer Aktivität und Stimmung. Diese schwanken weit außerhalb des Normalniveaus in Richtung Depression (extrem gedrückte Stimmung, drastisch verminderter Antrieb) oder Manie (unangemessene euphorische oder gereizte Stimmung, Rastlosigkeit, überdrehter Antrieb). Die statistische Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben an einer Bipolaren Störung zu erkranken, liegt bei 1,5 bis 5 Prozent. In Deutschland gibt es somit zwischen einer und vier Millionen Betroffene.

Verlaufsformen

Erste Anzeichen Bipolarer Störungen können sich schon im Heranwachsendenalter bemerkbar machen und beginnen meist mit einer Depression (in 60 bis 80 Prozent der Fälle). Trotzdem sind sie nicht leicht zu erkennen: Depressive und manische Zustände wechseln sich ab. Dazwischen können die Symptome durchaus eine Weile verschwinden. Rasche Symptomwechsel und Mischzustände erschweren die Diagnose.

Unterschieden werden zwei Erkrankungsformen, die mit Bipolar I und II klassifiziert werden:

  • Bei einer Bipolar-I-Störung präsentiert sich der Krankheitsverlauf mit Depressionen und schwer aus geprägten Manien.
  • Bei einer Bipolar-II-Störung fehlen die manischen Phasen. Auf depressive Phasen folgen hypomanische Episoden (eine leichtere Form der Manie).

Darüber hinaus gibt es Mischformen. Davon wird immer dann gesprochen, wenn depressive und manische Symptome in rascher Folge auftreten oder wenn sie sich durch gleichzeitiges Auftreten mischen. Der übergangslose Wechsel zwischen Manie oder Hypomanie und Depression wird dabei als Switching bezeichnet.

Noch immer existieren große Defizite bei der Diagnosestellung. Oft wird die Bipolare Störung erst nach acht bis zehn Jahren erkannt. Rechtzeitig richtig diagnostiziert, wird den Betroffenen ein langer Leidensweg erspart. In vielen Fällen tritt die Bipolare Störung als eine lebenslange, chronische Erkrankung in Erscheinung. Entsprechend medikamentös und psychotherapeutisch behandelt, kann der Erkrankte allerdings lernen, mit ihr zu leben.

Begleiterkrankungen (Komorbidität)

Der Missbrauch von Alkohol oder sonstigen Drogen ist bei bipolar erkrankten Erwachsenen häufig. Weniger oft, aber durchaus üblich ist auch ein übermäßiger Konsum von Medikamenten. Panikstörungen und Persönlichkeitsstörungen gehören ebenfalls zu den Begleiterkrankungen Bipolarer Störungen. Auch bestimmte körperliche Erkrankungen treten bei diesem Personenkreis häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung (z.B. Herz-Kreislauferkrankungen), wobei die Ursachen dafür nicht abschließend geklärt sind.

Suizidrisiko

Bei bipolar Erkrankten ist das Selbsttötungsrisiko generell um ein Vielfaches erhöht. Mindestens jeder vierte Betroffene unternimmt einen oder mehrere Suizidversuche, etwa 15 Prozent aller Betroffenen sterben durch Suizid. Als besonders riskant werden Depressionen eingeschätzt, bei denen der Antrieb noch nicht gelähmt oder bereits wieder verbessert ist. In diesen Phasen wird die Selbsttötungsabsicht häufig in die Tat umgesetzt. Auch gemischte Episoden bergen infolge der verzweifelten Stimmung aus Niedergeschlagenheit und des gleichzeitig enorm hohen Antriebsniveaus ein Suizidrisiko.

Quelle: DGBS e.V.
Foto: fotolia

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