Stillen zur Chefsache gemacht

 Dr. Bernd Gerresheim, Chefarzt der Geburtshilfe am Diakonie Klinikum Jung-Stilling. Dr. Gerresheim hat sich nach internationalem Standard zum Stillberater zertifizieren lassen.
Dr. Bernd Gerresheim, Chefarzt der Geburtshilfe am Diakonie Klinikum Jung-Stilling.
Dr. Gerresheim hat sich nach internationalem Standard zum Stillberater zertifizieren lassen.

Siegen. Dr. Bernd Gerresheim, Chefarzt der Geburtshilfe am Diakonie Klinikum Jung-Stilling ist am 1. November vom International Board of Lactation Consultant Examiners als „Stillberater IBCLC“ zertifiziert worden.

Die Ausbildung umfasst 90 Stunden bestehend aus Kursen und eLearning Modulen und muss mit einer weltweit durchgeführten Online Prüfung abgeschlossen werden. Zusammen mit Hebamme Bianca Bienert aus seinem Team, die sich gleichzeitig qualifizierte, ist Gerresheim damit der einzige nach diesem internationalen Standard zertifizierte Stillberater in Siegen und einer der ganz wenigen Chefärzte in Deutschland mit ausgewiesener Expertise auf diesem Gebiet.

Viele junge Mütter haben den Wunsch ihre Kinder zu stillen, oftmals klappt es nach der Geburt dann aber doch nicht so richtig und es wird frühzeitig abgestillt. Ursache hierfür ist oftmals eine falsche oder unzureichende Stillberatung in den Krankenhäusern. Die ersten Tage nach der Geburt sind hierbei ganz entscheidend, was man hier verpasst kann man später nur sehr schwer aufholen. Inzwischen liegen auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen umfassende neue Erkenntnisse zu den Abläufen rund ums Stillen vor. Vielen Gynäkologen, Krankenschwestern und auch Hebammen sind diese jedoch nicht bekannt. Hierbei werden oftmals alte Weisheiten und Mythen weitergegeben die längst überholt sind und vor allem nicht funktionieren. Auch in der eigenen Abteilung ist hier noch Überzeugungsarbeit und Anregung zum Umdenken zu leisten.
Ich bin mir aber sicher dass wir im Laufe der Zeit die Anzahl der erfolgreich stillenden Mütter deutlich steigern und das UNICEF Zertifikat „babyfreundliche Geburtsklinik“ erlangen können. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung denn Stillen schützt Kinder vor Infektionen und dem plötzlichen Kindstod. Die neuen „Volkskrankheiten“ Fettleibigkeit und Depressionen kommen bei gestillten Kindern und auch ihren Müttern signifikant seltener vor. Frauen die sechs Monate stillen haben ein deutlich reduziertes Risiko an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Eine effektivere und kostengünstigere Präventionsmaßnahme gibt es eigentlich nicht.

Zudem fördern IBCLC Stillberater die Eltern-Kind Bindung auch bei Frauen die nicht stillen können oder wollen. Gelungene frühkindliche Bindung fördert die soziale Kompetenz sowie die Belastbarkeit des Kindes auch in der Schule, im Jugendalter und in der Partnerschaft. Sie ist der erste emotionale Prozess der das Gehirn eines Neugeborenen beeinflusst. Diese Erfahrung ist so grundlegend da Emotionen auch an allen späteren Lernprozessen beteiligt sind.

Natürlich leisten auch bisher schon viele Hebammen eine vorzügliche Stillberatung. In Zukunft wollen wir mit diesen enger zusammenarbeiten und ihnen durch ein optimales Stillmanagement im Krankenhaus die Arbeit, die dann ja nach der Entlassung zu Hause weitergeht, erleichtern.

Quelle: Diakonie

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