Neu in Siegen: „Straßenkrönchen“

Wohnungslosenhilfe der Diakonie Soziale Dienste bringt mit Café-Patchwork-Gästen Straßenzeitung heraus

Eine Straßenzeitung für Siegen: Zum Start der ersten Ausgabe von „Straßenkrönchen“ luden (von links) Sebastian Taugerbeck, Rieke Pleuß, Adrian Stötzel und Carsten Dax von den Diakonie Sozialen Diensten zu einer Pressekonferenz ins Café Patchwork ein. Das Redaktionsteam bedankte sich bei Susanne Brand, Kai Cramer und Pfarrer Günther Albrecht vom Förderverein „Gegen Armut Siegen“ und auch bei der Bürgerstiftung Siegen für die finanzielle Projektunterstützung.


Siegen. Ob Lebensgeschichten von Menschen, die von Wohnungslosigkeit und Armut betroffen sind oder Kontaktdaten von lokalen Anlaufstellen, die Hilfe in sozialer Not anbieten: Inhalte wie diese warten auf die Leser im „Straßenkrönchen“, der neuen Straßenzeitung in Siegen. In einem sozialpädagogischen Projekt des Café Patchwork, dem Tagesaufenthalt der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Soziale Dienste, ist die erste Ausgabe entstanden. Gestaltet und mit Inhalten gefüllt wurde sie von Wohnungslosen sowie von Wohnungslosigkeit bedrohten und von Armut und Ausgrenzung betroffenen Menschen, die das Café Patchwork in Siegen besuchen. Initiiert wurde das Zeitungsprojekt von Carsten Dax, Einrichtungsleiter des Dienstezentrums in der Siegener Herrenwiese. Der Förderverein „Gegen Armut Siegen“ finanzierte die Aktion mit 6000 Euro. Die Bürgerstiftung Siegen beteiligte sich mit 1500 Euro.

Siegener Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf Armut, Ausgrenzung und Wohnungslosigkeit sensibilisieren und zugleich jenen eine Stimme geben, die am Rande der Gesellschaft stehen – so beschreiben die Verantwortlichen die Ziele des „Straßenkrönchens“. Carsten Dax rückt dabei vor allem den Mut der Café-Patchwork-Gäste in den Fokus: „Sie sind es, die mit uns die erste Ausgabe gestaltet und etwas von sich gegeben haben. Dafür möchte ihnen herzlich danken.“ Die Zeitung hat, wie der Titel erahnen lässt, einen lokalen Bezug. Inhalt ist unter anderem, wo es in Siegen Hilfs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen in Not gibt. Ferner werden Vereine vorgestellt, die sich in der Krönchenstadt zivilgesellschaftlich für Bedürftige stark machen. Angereichert sind die Seiten mit persönlichen Geschichten von Frauen und Männern, die nicht oder nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Das Redaktionsteam setzt sich aus Gästen des Café Patchwork, Mitarbeitenden der Diakonie Soziale Dienste und Ehrenamtlichen zusammen. Neben Carsten Dax begleitet Rieke Pleuß, Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr bei den Diakonie Sozialen Diensten, das Projekt. Sie wirft einen Blick zurück: „Alle zwei Wochen ist aus dem Café Patchwork eine Schreibwerkstatt geworden. Dort haben wir mit bis zu zwölf Gästen erörtert, was sie bewegt, beschäftigt und begeistert und konkrete Inhalte für die Zeitung festgelegt.“ Größtenteils ehrenamtlich für die Zeitung aktiv sind Sebastian Taugerbeck und Adrian Stötzel. Letzterer macht deutlich, dass die Entwicklung der Straßenzeitung von den Ideen der Café-Patchwork-Besucher lebt: „Einem Gast war es beispielsweise wichtig, über den Medizinischen Dienst der Malteser zu informieren – eine Anlaufstelle für Menschen ohne Krankenversicherung. Das Thema haben wir gleich mit in die erste Ausgabe gepackt.“ Neben den inhaltlichen Schwerpunkten wurden auch die weiteren Aspekte mit den Gästen konkretisiert – vom Logo im „Krönchen“-Design über die farbliche Gestaltung bis hin zum Titel „Straßenkrönchen“. Als gelernter Siebdrucker lag die Umsetzung der Optik in den Händen von Sebastian Taugerbeck. Das Ergebnis der ersten Ausgabe füllt ihn mit Freude: „Es waren intensive Monate, in denen mir die Interaktion mit den Café-Patchwork-Gästen sehr viel Spaß gemacht hat.“

Der Förderverein „Gegen Armut Siegen“, der die Teilnehmer im Anschluss an jedes Treffen in der Schreibwerkstatt zu Pizza und Softdrinks einlädt, ist vom „Straßenkrönchen“ begeistert. Vorstandsvorsitzender Günther Albrecht macht deutlich: „Wir fanden die Idee von Grund auf toll und haben einer finanziellen Unterstützung zeitnah zugestimmt. Denn Wohnungslosigkeit ist auch in Siegen ein drängendes Problem, das es darzustellen gilt.“ Vorstandsmitglied Kai Cramer ergänzt: „Ein großes Lob richten wir an die Organisatoren der Schreibwerkstatt. Es war ganz toll mit anzusehen, wie sie mit den Café-Patchwork-Gästen gearbeitet haben.“

Geplant ist, die erste Ausgabe des „Straßenkrönchens“ mit einer Auflage von 1000 Exemplaren zu veröffentlichen. Der Vertrieb soll, wie es von anderen Straßenzeitungen aus deutschen Großstädten bekannt ist, von Wohnungslosen und von Armut betroffenen Menschen per Straßenverkauf im Stadtgebiet Siegen erfolgen. Hierbei ist das Team aktuell auf der Suche nach Menschen in prekären Situationen, die sich mit dem Verkauf des „Straßenkrönchens“ einen kleinen Zuverdienst sichern möchten. Die Zeitungen werden für zwei Euro angeboten. Dabei kommt die Hälfte des Erlöses dem Verkäufer/der Verkäuferin zugute, die andere Hälfte fließt in die Projektfinanzierung. Wer die Zeitung anbietet, wird mit Logo-Kappen, bestickten Umhängetaschen und Verkäuferausweisen ausgestattet. Ferner wird das „Straßenkrönchen“ ab sofort an zwei stationären Orten verkauft – in der Bücherkiste in Siegen-Weidenau und im Café Noir in der Oberstadt. Ausgabe zwei soll Ende September erscheinen. Anschließend hofft das Redaktionsteam auf eine Entfristung des Projekts, denn: „Input und Motivation sind reichlich da, um noch mehr Ausgaben herauszubringen“, schmunzelt Stötzel. „Das bekommen wir hin“, versichert Pfarrer Günther Albrecht.

Besonders stolz ist das Team darauf, dass der Bürgermeister der Universitätsstadt Siegen, Steffen Mues, in der ersten Ausgabe ein Vorwort mit vielen lobenden Worten verfasst hat. „Das sehen wir als Kompliment und große Ermutigung für all jene, die die Straßenzeitung realisiert haben“, betont Carsten Dax im Namen aller „Straßenkrönchen“-Beteiligten.


Auslagerung:
Das Café Patchwork in Siegen ist der Tagesaufenthalt der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Soziale Dienste. Die Einrichtung öffnet ihre Türen für Menschen, die nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Ob eine warme Mahlzeit für kleines Geld kaufen, einen Kaffee trinken, Zeitung lesen, Dusche und WC nutzen oder auch Kleidung waschen und trocknen: All das ist für die Gäste im Café Patchwork in Siegen-Weidenau möglich.

Quelle/Foto: Diakonie in Südwestfalen

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